Bisher war mir als gebürtigem Bielefelder und Weinliebhaber der quer durch meine Heimatstadt verlaufende 52. Breitengrad als nördlichste Weinanbau-Grenze Deutschlands ein Begriff. Umso überraschter war ich, als ich in einer Pressemitteilung der Sylt Marketing GmbH vom 07. Juni 2009 las, in Keitum auf Sylt reife derzeit Deutschlands erster professionell hergestellter Wein. Bei meinem jüngsten, alljährlichen Besuch auf meiner deutschen Lieblingsinsel beschloss ich, mich vom Stand oder besser gesagt Wuchs der Dinge persönlich zu überzeugen.
Gemäß obiger Pressemitteilung ermöglicht das neue Pflanzrecht des Landes Schleswig-Holstein seit November 2008, unter bestimmten Voraussetzungen Wein im nördlichsten Bundesland anzubauen. Angeregt durch eine Sylter Weinbau-Initiative von zwei Hobby-Winzern und einer Sommelière beschlossen gemäß der o. e. Presse-Information die Winzer Stefan und Christian Ress aus dem Rheingau, auf Sylt den „ersten kommerziell angebauten Sylter Wein“ hervorzubringen. Dieser wird derzeit auf einer 3.000 qm großen Fläche angebaut und soll von 2012 an entsprechend dem Breitengrad der Lage unter dem Namen 55° Nord vermarktet werden. Wie ich mich heute bei meinem Besuch persönlich überzeugen konnte, hat das Weinanbau-Gebiet in Keitum in der Nähe der St.-Severin-Kirche eine vorteilhafte, leichte Hanglage und „trotzt dadurch der steifen Brise“. Meine Auswahl dieses Projekts für die Reihe „Querdenk-Modelle“ hier im Blog basiert gleich auf mehreren Faktoren, die für den Erfolg des Projektes jeweils besondere Gewichtung haben:
1) Neues Pflanzrecht des Landes Schleswig-Holstein
2) Verschiebung der nördlichen Weinanbau-Grenze Deutschlands vom 52. Breitengrad Richtung Norden als Folge des Klimawandels
3) Für Weinanbau geeigneter Boden mit vorteilhafter, leichter Hanglage – von Experten in Gutachten belegt
4) Professionelle Betreuung für den Rebschnitt und die Ernte durch erfahrene Winzer und ihr Team; Pflegearbeiten durch geeignete Partner vor Ort.
5) Wert steigernde Begrenzung der Weinanbau-Fläche in Schleswig-Holstein auf insgesamt 10 Hektar
6) die Winzer Stefan und Christian Ress erhielten mit 0,3 Hektar „den kleinsten Teil mit der wohl größten Aufmerksamkeit“, denn:
7) die Winzer profitieren von der Reputation der Insel und ihren Marketing-Möglichkeiten, die von der Sylt Marketing GmbH und ihrer, mir persönlich bekannten Leiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Jutta Vielberg voran getrieben und ausgeschöpft werden.
8 ) Anspruchsvolle (Sylt-)Clientèle, die „altbewährten Angeboten und visionären Projekten“ gleichermaßen aufgeschlossen gegenüber steht.
Fazit:
Nichts ist beständiger als der Wandel: Stefan und Christian Ress haben Möglichkeiten erkannt, wie man aus dem Klimawandel und einem neuen Pflanzrecht Nutzen ziehen kann. Das Investitions-Risiko ist nach Abwägung aller dargestellten Faktoren offenbar kalkulierbar – und somit unternehmerisch verantwortbar gering. Die Winzer haben sich rechtzeitig als Erste professionell mit dem erforderlichen und vorhandenen Know-How eingebracht.
Möglicherweise gibt Ihnen als Fleischer/Metzgermeister das obige Querdenk-Modell Anregung zu überprüfen, welcher Wandel (Klima, Gesetze/Auflagen, Konsumgewohnheiten etc.)) zu Ihrem Vorteil von Ihnen genutzt werden könnte. Sicherlich ist auch da wieder Ihre ganz besondere Kreativität gefragt. Aber auch als Winzer muss man auf die Idee, auf Sylt Weinanbau zu betreiben, zunächst einmal überhaupt kommen und sodann verantwortungsbewusst umsetzen.
In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich



