Archiv für die Kategorie ‘Querdenk-Modelle’

Serien-Beitrag – Querdenk-Modell No. 4: Weinanbau auf Sylt

September 29, 2009

Bisher war mir als gebürtigem Bielefelder und Weinliebhaber der quer durch meine Heimatstadt verlaufende 52. Breitengrad als nördlichste Weinanbau-Grenze Deutschlands ein Begriff. Umso überraschter war ich, als ich in einer Pressemitteilung der Sylt Marketing GmbH vom 07. Juni 2009 las, in Keitum auf Sylt reife derzeit Deutschlands erster professionell hergestellter Wein. Bei meinem jüngsten, alljährlichen Besuch auf meiner deutschen Lieblingsinsel beschloss ich, mich vom Stand oder besser gesagt Wuchs der Dinge persönlich zu überzeugen.

Gemäß obiger Pressemitteilung ermöglicht das neue Pflanzrecht des Landes Schleswig-Holstein seit November 2008, unter bestimmten Voraussetzungen Wein im nördlichsten Bundesland anzubauen. Angeregt durch eine Sylter Weinbau-Initiative von zwei Hobby-Winzern und einer Sommelière beschlossen gemäß der o. e. Presse-Information die Winzer Stefan und Christian Ress aus dem Rheingau, auf Sylt den „ersten kommerziell angebauten Sylter Wein“ hervorzubringen. Dieser wird derzeit auf einer 3.000 qm großen Fläche angebaut und soll von 2012 an entsprechend dem Breitengrad der Lage unter dem Namen 55° Nord vermarktet werden. Wie ich mich heute bei meinem Besuch persönlich überzeugen konnte, hat das Weinanbau-Gebiet in Keitum in der Nähe der St.-Severin-Kirche eine vorteilhafte, leichte Hanglage und „trotzt dadurch der steifen Brise“. Meine Auswahl dieses Projekts für die Reihe „Querdenk-Modelle“ hier im Blog basiert gleich auf mehreren Faktoren, die für den Erfolg des Projektes jeweils besondere Gewichtung haben:

1) Neues Pflanzrecht des Landes Schleswig-Holstein

2) Verschiebung der nördlichen Weinanbau-Grenze Deutschlands vom 52. Breitengrad Richtung Norden als Folge des Klimawandels

3) Für Weinanbau geeigneter Boden mit vorteilhafter, leichter Hanglage – von Experten in Gutachten belegt

4) Professionelle Betreuung für den Rebschnitt und die Ernte durch erfahrene Winzer und ihr Team; Pflegearbeiten durch geeignete Partner vor Ort.

5) Wert steigernde Begrenzung der Weinanbau-Fläche in Schleswig-Holstein auf insgesamt 10 Hektar

6) die Winzer Stefan und Christian Ress erhielten mit 0,3 Hektar „den kleinsten Teil mit der wohl größten Aufmerksamkeit“, denn:

7) die Winzer profitieren von der Reputation der Insel und ihren Marketing-Möglichkeiten, die von der Sylt Marketing GmbH und ihrer, mir persönlich bekannten Leiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Jutta Vielberg voran getrieben und ausgeschöpft werden.

8 ) Anspruchsvolle (Sylt-)Clientèle, die „altbewährten Angeboten und visionären Projekten“ gleichermaßen aufgeschlossen gegenüber steht.

Fazit:

Nichts ist beständiger als der Wandel: Stefan und Christian Ress haben Möglichkeiten erkannt, wie man aus dem Klimawandel und einem neuen Pflanzrecht Nutzen ziehen kann. Das Investitions-Risiko ist nach Abwägung aller dargestellten Faktoren offenbar kalkulierbar – und somit unternehmerisch verantwortbar gering. Die Winzer haben sich rechtzeitig als Erste professionell mit dem erforderlichen und vorhandenen Know-How eingebracht.

Möglicherweise gibt Ihnen als Fleischer/Metzgermeister das obige Querdenk-Modell Anregung zu überprüfen, welcher Wandel (Klima, Gesetze/Auflagen, Konsumgewohnheiten etc.)) zu Ihrem Vorteil von Ihnen genutzt werden könnte. Sicherlich ist auch da wieder Ihre ganz besondere Kreativität gefragt. Aber auch als Winzer muss man auf die Idee, auf Sylt Weinanbau zu betreiben, zunächst einmal überhaupt kommen und sodann verantwortungsbewusst umsetzen.

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

Erfolgreich durch den ERFA-Kreis

September 25, 2009

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Foto Ludger Freese: ERFA-Kreis in Freeses Küche mit einem neuen Produkt.

In Niedersachsen gibt es einige ERFA-Kreise, die schon seit langer Zeit erfolgreich zusammen arbeiten. Wir gehören auch so einem „Erfahrungsaustausch-Kreis“ (ERFA) an. Angefangen bin ich schon 1984 in einem Junioren-ERFA-Kreis, wo sich die angehenden Junioren trafen. Heute ist ein Austausch unter Kollegen immer wichtiger. Die Probleme, die Erfahrungen, aber auch Erfolge lassen sich im Kollegenkreis sehr leicht erörtern und multiplizieren. Der Erfolg eines Kreises hängt von einigen Faktoren ab, die ich gerne einmal vorstellen möchte.
Die Betriebe sollten einen großen räumlichen Abstand haben, damit es keine Berührungsängste gibt bezüglich der Ehrlichkeit. Überhaupt -Ehrlichkeit ist das größte Plus eines solchen Kreises. (anderes als in manchen Innungsversammlungen) Einige betriebswirtschaftliche  Zahlen werden offen diskutiert.
Unser Kreis – der Kreis 17 – trifft sich zweimal im Jahr. Ein Kollegen übernimmt die Gastgeberrolle für die zweitägige Veranstaltung. Neben einen kleinen Smalltalk steht das fachliche im Mittelpunkt. Die Betriebsräume werden besucht, die Thekenauslage wird kritisch betrachtet und die Wurst wird probiert. Dazu kommt meistens noch ein Referent/in. Bei unserem letzten Treffen war Doris Siegle unsere Fachfrau, die uns ihren Betrieb sehr eindrucksvoll vorgestellt hat.

ERFA-Kreis Mitglieder sind Innungsmitglieder und kommen aus einem gemeinsamen Bundesland. Der Grund liegt im Einladungsmodus und in der Verwaltung unserer Beiträge. Wir treffen uns auch schon mal in privater Atmosphäre wie Hochzeiten, Geburtstage oder Eröffnungen. Möchte ein Inhaberehepaar Mitglied bei uns werden, wird nach einer Vorstellungsrunde offen abgestimmt. Es darf nicht sein, dass jemand ein Problem mit einem Neuen hat, weil z.B. eine Filiale in der Nähe ist.

ERFA-Kreis, das bedeutet Geben und Nehmen. Wer nur „nimmt“ wird schnell erkannt. Der jährliche Preisvergleich in unserem Kreis von 12 – 15 Betrieben ist immer eine spannende Sache. Wer steht auf den 1. Platz, wer hat welchen Preis für ein bestimmtes Produkt und wer hebt sich deutlich ab…

Besonders hervorheben möchte ich noch die geführten Telefongespräche im Kollegenkreis, wenn z.B. eine neue Wurstsorte gut angekommen ist oder eine Marketingaktion besonders erfolgreich war. Wir helfen uns ganz offen und sagen auch deutlich, was uns nicht gefällt. Nur so können wir von einander lernen und uns vom Markt abgrenzen.

Ein ERFA-Kreis ist gerade jetzt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besonders wertvoll, weil wir uns gemeinsam weiter helfen. So lebt der ERFA-Geist. Ich möchte darauf nicht mehr verzichten und kann nur jeden Fleischermeister Mut machen sich einem Kreis anzuschließen. Fragen zu ERFA-Kreise beantwortet auch gerne der “ ERFA-Kreis Präsident“ Volker Behrens aus Twistringen. Tel.: 04243-1838 Sprechen Sie einfach ihren Landesinnungsverband an oder Gründen Sie selber einen Kreis. Pioniere und Querdenker braucht unser Handwerk.

Mit kollegialen Grüßen
Ludger Freese

Serien-Beitrag! Das Querdenk-Modell No. 3: Der Cospudener See bei Leipzig

Mai 30, 2009

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
da meine Tochter schon vor Jahren Leipzig als Domizil gewählt hat, konnte ich bei meinen alljährlichen Besuchen mit Freude die stetige Entwicklung der Stadt beobachten. Hierbei blieb mir natürlich auch die Rivalität zwischen Leipzig und Dresden nicht verborgen, die ähnlich groß zu sein scheint wie diejenige zwischen Düsseldorf und Köln. Während Dresden neben seinem einmaligen Stadtbild auch von der umliegenden Elblandschaft profitiert, hatte Leipzig neben seinem legendären Ruf als Handelsmetropole auch viele Jahre nach der Wende auf dem Freizeit-Sektor nur wenig zu bieten. Vielmehr wurden die umliegenden Regionen vielfach durch Braunkohlegruben und –Bagger dominiert.
Nach Auslaufen der „Braunkohle-Ära“ stand deshalb die Entscheidung an, wie es mit der brach liegenden Industrielandschaft weiter gehen sollte. Man entschied sich, in den Freizeit-, Erholungs- und Erlebnissektor zu investieren. Hierzu wurden im Laufe der letzten Jahre mehrere ehemalige Braunkohlegruben geflutet, und die ersten Bagger wurden demontiert. So entstanden unmittelbar vor den Toren der Stadt mehrere Badeseen von zig Kilometern Länge und Breite. Zum Schmuckstück hat sich inzwischen der Cospudener See entwickelt, den ich als begeisterter Segler jetzt besonders schätzen gelernt habe, da er nicht nur zum Baden (mit aufgeschüttetem Sandstrand) sondern auch zum Segeln frei gegeben ist. Er ist rundum durch Wander- und Radfahrwege erschlossen, und es haben sich auch Gastronomie-Betriebe angesiedelt. An einem der Nachbarseen, dem Markkleeberger See stehen die ersten Ferienhäuser. Dort ist auch Deutschlands „einzigartige Attraktion für Wildwassersport“, der Kanupark Markkleeberg. Weitere Braunkohlegruben werden derzeit geflutet. Hier entsteht offenbar ein Gebiet mit Zukunft, das neben seiner Erholungsqualität auch Arbeitsplätze schafft.

Fazit:
Es gibt immer einen Weg. Kein (vermeintlicher) Nachteil ist groß genug, um nicht irgendwie oder irgendwann auch einmal zum Vorteil zu gereichen. Der Großraum Leipzig hat die (Industrie-)Brache genutzt, durch Flutung von Braunkohlegruben die Attraktivität und Lebensqualität der Stadt und der Region auf ein weit überregional beachtetes Niveau hochzuziehen. Retrospektiv betrachtet hat man wohl fast alles richtig gemacht.

Entscheidend war jedoch, die Möglichkeiten, die eine (Industrie-)Brache bot, a) zu erkennen und b) auch zu nutzen.

Vielleicht haben auch Sie in Ihrer Fleischerei/Metzgerei ungenutzte Kapazitäten, die durch einen einzigen entscheidenden Schwenk in der Denkrichtung zu einer neuen Verwendung geführt werden könnten. Vieles ist nur eine Frage des Vorstellungsvermögens. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist der entscheidende. Alles bis zum Schluss durchdenken oder gar planen zu wollen, ist vielfach nicht nötig. Auch am Cospudener See konnte man die Attraktivität und Eigen-Dynamik, die die Seenlandschaft entwickelte, bestenfalls erahnen.

In diesem Sinne grüße ich Sie Herzlich
Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

Der Erfa-Kreis Gedanke

März 17, 2009

Wenn sich Kollegen und Kolleginnen bereit erklären über Ihre Erfolge im Betrieb zu sprechen, dann ist das schon etwas ganz Besonderes. Der „ERFA-Kreis 17“ des FNB trifft sich zu einem fachlichen Gedankenaustausch zweimal im Jahr. Im März waren wir Gastgeber des Kreises in Visbek. An einem Sonntag und Montag war für das kreative Meeting Zeit eingeplant. Für das Programm ist der Gastgeber immer verantwortlich – es fließen also im Vorfeld viele Gedanken in die Ausrichtung eines solchen Tages.

Durch meine Blogaktivitäten besteht zu vielen Betrieben in Deutschland ein intensiver Kontakt. Besonders angenehm ist mir dabei Doris Siegle von der Metzgerei Siegle GmbH aus Bietigheim-Bissingen aufgefallen. Was lag näher, als Kontakt mit der kreativen Kollegin aufzunehmen, die im Jahr 2008 den „Rudolf-Kunze-PR-Preis“ gewonnen hat. (Sonderpreis der AFZ)  Doris Siegle erklärte sich spontan bereit, die Reise nach Visbek auf sich zu nehmen.

Am Sonntag stand nun nach der Kaffeetafel ein erster kleiner Austausch an. Der Kreis besteht schon seit den frühen 90er Jahren und ist ständig mit neuen innovativen Kollegen erweitert worden. Der zeitliche Rahmen war sehr eng gesteckt. Ein Betriebsrundgang durch die „heiligen Räume“ von Freese stand an. Einige Inhaber hatten den Betrieb noch nie gesehen – es gab viele Fragen und noch mehr Antworten. Die EU-Zulassung und die unterschiedliche „Willkür“ der Behörden ist bei einem Kollegengespräch immer ein Thema. Wir präsentierten einen realen Onlineauftrag aus dem Internet – vom Auftrag bis zum Versand.

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Foto: Echte fachliche Themen in unserer Küche.

Um 17 Uhr referierte Doris Siegle im Konferenzraum des Hotels über den Erfolgsfaktor der Marke „Siegle“. Sie stellte ihren Betrieb in einer beeindruckenden Präsentation vor. Im 1. Teil des zweistündigen Vortrags ging sie auf verschiedene Aktionen in Ihrem Betrieb ein. Sie erklärte dem Kreis, wie man durch „ungewöhnliche Aktionen“ Aufmerksamkeit erreichen kann. Dabei ist die hauseigene Mitarbeiterschulung das Herzstück der Firma Siegle. Die gelernte Europa/ Fremdsprachensekretärin und Fleischerei-Fachverkäuferin Doris Siegle schult ihr Verkaufspersonal schwerpunktmäßig in Ernährungsfragen. Die Kompetenz des Siegle-Teams ist in der Region sehr bekannt. Kunden nehmen weite Anfahrtswege in Kauf, um das Einkaufserlebnis in der Metzgerei Siegle zu erleben. In unzähligen Beispielen wurden Aktionen und Erfahrungen vorgestellt.

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Foto: Doris Siegle, Carola Freese und Ludger Freese

Röllchen

Am Abend wurde auf der Hotelterrasse die Grillsaison 2009  eröffnet. Jeder Betrieb hatte dazu seinen „Grill-Top-Hit“ mitgebracht. Die Produkte wurden vorgestellt und diskutiert. Anschließend wurden sie kritisch verkostet und beurteilt. Durch diese Erfahrung konnten viele neue Produkte für den jeweiligen Betrieb gewonnen werden. Der Abend stand ganz im Sinne von: „Eat and Talk“.

Nach dem gemeinsamen Frühstück am Montag, wurde der fachliche Teil fortgesetzt.  Doris Siegle stellte im 2. Teil des Vortrags Ihre Ernährungskompetenz vor. Sie erklärte uns, wie leidenschaftlich man als Chefin etwas vorleben muss um zu einem motivierten Verkaufsteam zu kommen. Dieses wurde an vielen interessanten Beispielen erklärt und verdeutlicht. Gesunde Ernährung ist das Megathema im Betrieb Siegle. Das Ehepaar Frank und Doris Siegle arbeitet ständig an neuen Produkten. Dabei entstehen z.B. glutamatfreie Wurstwaren, eine SSL-Line, fettreduzierter Wurst und viele weitere besondere Produkte, womit die Siegles ein echtes Alleinstellungsmerkmal besitzen. Die innovative Kollegin stellte ihre Flyer vor, mit der sie ihre Kunden in Ernährungsfragen begleitet. Begriffe wie Vitamine, Laktose-Intoleranz, Diabetiker und Diäten können von jedem Mitarbeiter in der Siegle-Mannschaft beantwortet werden. Die zweifache Mutter legt Wert auf echte Persönlichkeiten hinter der Verkaufstheke.

Im Anschluss sprachen Vertreter der Fa. Aichinger-Ladenbau zum Thema: „Die Fleischerei der Zukunft“ zum „ERFA-Kreis 17“ Ingolf Weiershaus und Michael Eßlage waren die Referenten des Vormittags. Der Vortrag passte wie eine rote Linie zum Gesamtthema: „Beraten  – besser verkaufen!“ Die Ladenbauer stellten verschiedene Fleischereien vor, Konzepte und erklärten die Planung. Aichinger kümmert sich vorbildhaft um die Interessen der Betriebsinhaber. Die Diskussionen zeigten, dass die Zukunft „täglich“ beginnt.

Der Austausch und die offenen Worte waren für alle Beteiligten eine echte Bereicherung. „Lernen von den Besten…!“ Nur das bringt uns im Wettbewerb weiter.

Anschließend stand die Besichtigung der Fleischerei Freese im „Live-Modus“ an. Viele Fragen und Themen wurden besprochen und erklärt. ERFA – das bedeutet für uns: Ehrlichkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber den Kollegenbetrieb. Das wurde von allen Teilnehmern in Visbek gelebt. 

Herzliche Grüße von Carola und Ludger Freese.

P.S. Unser Kreis sucht noch zwei aktive neue Erfa-Betriebe, möglichst aus Niedersachsen.

(Fotos: mit Personen von Doris Siegle, Röllchen: Ludger Freese)

Serien-Beitrag! Das Querdenk-Modell No. 1: „Zusatznutzen durch passives Sponsoring“

Januar 4, 2009

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

in der heute beginnenden Serie sollen in loser Folge Querdenk-Modelle vorgestellt werden, die Ihnen Anregung zur kreativen Nachahmung geben könnten.

Das Querdenk-Modell No. 1: „Zusatznutzen durch passives Sponsoring“

Seit meiner Jugend (sie liegt schon ein paar Tage zurück) besuche ich von Zeit zu Zeit den Bielefelder Heimattierpark Olderdissen. Dieser bis auf den heutigen Tag für Besucher kostenfreie Tierpark dümpelte jahrelang oder besser gesagt jahrzehntelang vor sich hin. Zwar waren die Gehege und Volièren mitten im Teutoburger Wald stets in gepflegtem Zustand, Anzahl und Größe der Tier-Reservate hielten sich jedoch in überschaubaren Grenzen. Für Besucher stand ein eng begrenzter Parkplatz ur Verfügung, der bei Überfüllung die Besucher schnell zwang, auf der angrenzenden Straße zu parken. Die Mittel waren wohl begrenzt.

Doch dann passierte Folgendes:

Durch eine geniale Strategie-Änderung gelang es vor einigen Jahren, Spenden locker zu machen, indem man an die Eitelkeit des jeweiligen Sponsors appellierte. Man gestattete nämlich dem Spender, auf einer Tafel vor dem von ihm geförderten Gehege namentlich auf ihn als Geldgeber hinzuweisen.

Folge:

Es flossen fortan Sponsorengelder, und die ersten Gehege konnten modernisiert oder erweitert werden. In den letzten Jahren ist die Zahl der Sponsoren mächtig angewachsen; der Heimattierpark hat dadurch die Anzahl und Größe seiner Gehege sowie die Fauna aufstocken können. Die Attraktivität für Besucher wurde gesteigert, die Parkflächen mussten großzügig erweitert werden.

Zu den Sponsoren gehören überwiegend Geldgeber, die sich dem lokalen oder regionalen Gedanken verpflichtet sehen.

Nachstehend zwei Beispiele der Sponsoren-Tafel:

Heimattierpark Olderdissen

Die Aussichtsterrasse wurde durch eine großzügige Spende der Eisengießerei Baumgarte Bielefeld finanziert

oder

Heimattierpark Olderdissen

Das neue Wolfsgehege wurde durch eine Spende der Stadtwerke Bielefeld ermöglicht.

Bei meinem jüngsten Winterbesuch konnte ich dann eine weitere Neuerung feststellen: Offensichtlich sind auch einfallsreiche Privatpersonen interessiert. Eine neue, aus mehreren kleinen Holzhäusern bestehende Spiellandschaft für Kinder wird wie folgt erläutert:

Heimattierpark Olderdissen

Die Spiellandschaft wurde von Angela Ferdin anlässlich einer Geburtstagsfeier gesponsert.

Noch deutlicher wurde ein weiteres Schild an einem anderen Standort, an dessen Inhalt ich mich wie folgt erinnere:


Heimattierpark Olderdissen

Dieses Gehege wurde finanziert durch eine freundliche Spende der Geburtstagsgäste von Frau Vorname Name

Das heißt, hier hat es der Spender in bewundernswerter Weise verstanden, sich über die Geldspenden seiner Gäste bei der Wohnbevölkerung besonders beliebt zu machen.

Fazit und Beispiel gebende Anregung

Vielleicht haben auch Sie in Ihrem Ladengeschäft eine Spielecke für vier- bis achtjährige Kinder oder tragen sich mit dem Gedanken, eine solche einzurichten. Kinder haben ja auf die Wahl der Einkaufsstätte und/oder die Kaufentscheidungen Ihrer Eltern vor Ort vielfach einen beträchtlichen Einfluss. Durch die Spielecke stiften Sie der betreffenden Kundengruppe einen deutlichen und vielleicht Kauf entscheidenden Zusatz-Nutzen, denn Sie steigern die Wohlfühl-Atmosphäre Ihres Betriebes.

Es ist jetzt an Ihnen zu überlegen, welcher lokale oder regionale Anbieter ein Interesse daran haben könnte, beispielsweise Form und/oder Inhalt Ihrer Spielecke namentlich zu sponsern. Es muss ja nicht unbedingt ein Spielwarengeschäft sein. Synergetische Effekte könnten sich auch für solche Unternehmen ergeben, die wie Sie den „qualitätsbewussten, anspruchsvollen Verbraucher“ als Zielgruppe haben.

Herzliche Grüße sendet

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)