Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser von Fleischer/Metzger-Blog,
bei meiner telefonischen Kontaktaufnahme zu Fleischermeister Uwe Rau, Geschäftsführer in der Landfleischerei Rau GmbH & Co. KG, Steinhagener Str. 16, 33334 Gütersloh-Isselhorst brauchte ich mich gar nicht erst vorzustellen. Uwe Rau ist seit Jahren begeisterter Leser der Fleischer/Metzgerblog-Beiträge von derzeit insgesamt 14 Autoren und besitzt zudem alle meine strategischen Sachbücher aus der „Fleischerei mit Fadenkreuz!“-Serie.
Uwe Rau empfing mich am Mittwoch-Nachmittag dieser Woche gemeinsam mit seiner Frau Marita im Büro seines Anwesens mit einladend großem Parkplatz an der Steinhagener Straße mitten im Gütersloher Ortsteil Isselhorst. Während Uwe Rau am gleichen Standort die Produktion leitet, widmet sich Marita Rau gemeinsam mit ihrem Verkaufs-Team der verehrten Kundschaft im sympathisch und übersichtlich eingerichteten Ladengeschäft. Marita Rau äußerte bei meiner Ankunft Interesse, die „ersten Sätze der Unterhaltung“ kurz verfolgen zu wollen – und nahm dann stattdessen während der folgenden dreieinhalb Stunden, aktiv die Diskussion bereichend, am Gespräch teil.
Uwe Rau leitet das Unternehmen in zweiter Generation, und die dritte mit Sohn André „steht schon in den Startlöchern“. Die Landfleischerei Rau hat eine eigene Website, die derzeit wöchentlich aktualisiert wird; ein Webshop ist in Vorbereitung.
Herkunftsnachweis und innerbetriebliche Kontrollstufen im Interesse der Kundschaft
Im Interesse seiner Kundschaft legt Uwe Rau größten Wert darauf, einen lückenlosen Herkunftsnachweis seiner handwerklich hergestellten Erzeugnisse erbringen zu können.
Bei der Auswahl seiner Lieferanten vertraue er den Landwirten der Umgebung. So habe er im Laufe vieler Jahre persönlichen Kontakt zu bäuerlichen Kleinmastbetrieben der Region herstellen können, die – auch für den geschätzten Kunden einsehbar – namentlich auf seiner Website erwähnt seien. Bei den betreffenden Kleinmastbetrieben, so führt er des Weiteren aus, „passe die Ackerfläche zur Kopfzahl des Viehs“. Sämtliche der dort gelisteten Landwirte hätten sich darüber hinaus ihm gegenüber verpflichtet, antibiotikafrei und mastbeschleunigerfrei zu füttern. Rückstands-Untersuchungen der Schweine würden von einem neutralen Veterinär unangemeldet und in unterschiedlicher Frequenz durchgeführt.
Uwe Rau legt zudem Wert darauf, selber zu schlachten. Einmal die Woche holt er die Tiere 24 Stunden vorher ab, um sie nach einem kurzen Transportweg persönlich in den Ställen unterzubringen. Durch den kurzen und relativ stressarmen Transport könnten die Tiere sodann problemlos regenerieren. Das Fleisch bliebe dadurch fester und „stünde beim Schneiden vor dem Messer“. Die Schweinehälften hole er am nächsten Morgen in seinen Betrieb und zerlege sie anschließend. Durch die „schlachtwarme Verarbeitung“ ermögliche er seiner Kundschaft bei seinen Produkten ein Geschmackserlebnis, das man seiner Überzeugung nach „mit keinem Gewürz hinkriege“.
Die Wohlfühl-Atmosphäre im Ladengeschäft
Laut Eigenaussage von Marita Rau stößt das Ladengeschäft derzeit an Kapazitätsgrenzen.
Da nicht nur die Kunden/Kundinnen sondern auch das Verkaufs-Team von außen bereits deutlich sichtbar seien, wirke der Laden immer sehr schnell gut besucht. Das steigere die Attraktivität. Zudem sei die Kundenfläche größenmäßig gut überschaubar, was die Kommunikation auch unter den Kundinnen und Kunden ungewöhnlich steigere. Das sei im Übrigen auch einer der Faktoren, der die relativ hohe Anzahl von über 90% Stammkunden erkläre.
Die kunden-orientierte Langzeit-Strategie der Landfleischerei
Vor dem Hintergrund der geschilderten Wertschöpfungskette haben Uwe und Marita Rau ein Konzept, wie sie Ihre Kunden erfreuen und immer wieder aufs Neue begeistern können. Besonders motivierend wirke hierbei auch der Junior André, der bereits deutlich „mit den Hufen scharre“ und erfreuliche Anregungen und Anstöße liefere. So sei auf seine Anregung auch eine eigene Website in Auftrag gegeben worden, die seit einiger Zeit auch wöchentlich aktualisiert würde. Wie Marita Rau hierzu erläuterte, sei die Zahl der Kunden, die sich jeweils vor Besuch in der Landfleischerei bereits per Website über das aktuelle Angebot informiert habe, in jüngster Zeit signifikant gestiegen.
Zurzeit setze man folgende Schwerpunkte:
Unter den Stammkunden habe man vier besonders wichtige Zielgruppen:
a) die Ernährungsbewussten
b) die Bevorzuger regional-typischer Erzeugnisse aus OWL
c) die Convenience-Liebhaber und
d) die Partyservice-Kunden
a) die Ernährungsbewussten
man habe ein breites Sortiment an fettarmen oder fettreduzierten Produkten. Rohwürste und Brühwürste mit entsprechend nährwertverändertem Material würden in letzter Zeit verstärkt nachgefragt.
Für die Teil-Zielgruppe der Allergiker unter den Ernährungsbewussten habe man z.B. einen allergenfreien Rohschinken im Angebot, der mit Steinsalz, ohne Nitrit und Geschmacksverstärker angeboten würde. Für die Teil-Zielgruppe der Cholesterin-Belasteten habe man innerhalb des großen Salami-Spektrums eine Walnuss-Salami kreiert.
b) die Bevorzuger regional-typischer Erzeugnisse aus Ostwestfalen-Lippe
Durch den Vorzug der unmittelbaren Kommunikationsmöglichkeit im Ladengeschäft sei es möglich, Wünsche und sinnvolle Anregungen aus der Kundschaft schnell zu erkennen und gegebenenfalls auch umzusetzen. „Dauerbrenner“ unter den regionalen Spezialitäten seien Wurstebrei, Möpkenbrot (Saison) und Hausmacher Leberwurst mit Mehl sowie westfälischer Schinken, westfälische Rohwurst und die Sonder-Kreation „Lutterwürmer“. Bei dem letzteren Wurstprodukt handelt es sich um eine Kreation, die einen deutlich wahrnehmbaren Regionalbezug über die durch die Region fließende Lutter herstellt. Insbesondere durch Kauf eines solchen Produktes könne sich ein Kunde deutlich als Regional- oder Lokalpatriot im Ladengeschäft zu erkennen geben und so seine Verbundenheit zu der Region verdeutlichen.
c) die Convenience-Liebhaber
Fleischerei Rau konzentriert sich hier auf einen Mittagstisch für Außer-Haus-Verzehr. Als Kunde profitieren Sie hier von der Einsiegelung der Menüs, wodurch diese die Wärme eine gute Weile konservieren. Bewährt habe sich hier ein Angebot, das die Wünsche der Liebhaber regional-typischer OWL-Spezialitäten mit dem Wunsch nach Convenience kombiniere. Dienstags und donnerstags gäbe es traditionell einen „Suppentag“. Einmal die Woche (freitags) liefere man auch mit eigenem (Kühl-)Fahrzeug aus.
d) Partyservice-Kunden
Auch die Zielgruppe der Partyservice-Kunden werde gepflegt. Hier habe sich das Konzept bewährt, zunächst die Anzahl und altersmäßige Zusammensetzung der zu bewirtenden Personen zu erfragen, und sodann Liefervorschläge zu unterbreiten. Hierdurch könne man der Gefahr begegnen, Unterlieferungen vorzunehmen. Denn nichts sei für einen Gastgeber peinlicher, „als wenn die Ware nicht reicht“.
Sonder-Zielgruppe
Nicht unerwähnt bleiben sollte hier meines Erachtens allerdings auch die Sonder-Zielgruppe Kinder. Denn für diese Gruppe hat die Landfleischerei Rau vor ca. zwei Jahrzehnten ein „gruppen-individuelles“ Produkt in Form von einer „Scheibe Fleischwurst mit Lolli“ entwickelt. Diese Kreation entstand durch Zufall, weil man bei einem Späteinkauf in einem Supermarkt seinen eigenen Einkaufswagen an der Kasse plötzlich mit einem Pack von 100 Stück Lollis „bestückt“ fand, die man gar nicht selber in den Wagen gelegt hatte. Bei der anschließenden Suche nach einer Verwendungsmöglichkeit kam man auf die Idee, jeweils einen Lolli in ein Stück Fleischwurst zu stecken und im Ladengeschäft anzubieten. Diese `zielgruppen-orientierte Produkt-Kombination’ ist auch heute noch im Angebot. Wie nachhaltig diese Art der Kundenorientierung wirkt, konnten Uwe und Marita Rau erst jüngst wieder feststellen, als sich ein inzwischen 25 Jahre alter Kunde mit Begeisterung daran erinnerte, wie er schon vor zwanzig Jahren mit „Fleischwurst und Lolli“ verwöhnt wurde.
Kreativität
Erfreulicherweise ist es Familie Rau bewusst, wie wichtig es für eine inhabergeführte, handwerklich strukturierte Fleischerei ist, bei der verehrten Kundschaft Wünsche zu wecken und sodann mit einem geeigneten Angebot auch zu erfüllen. So habe man im Laufe der Jahre das Salami-Sortiment auf insgesamt derzeit 14 Varietäten aufgestockt, um den entsprechenden Genießern innerhalb des Salami-Sortiments Abwechslung zu bieten. Anlässlich der 950-Jahrfeier des Gütersloher Stadtteils Isselhorst habe man in Eigen-Initiative eine „Isselhorster Ursalami“ auf den Markt gebracht Hierbei handele es sich um eine Salami “so wie sie früher während der Hausschlachtezeit produziert wurde“. Sie werde also mit Naturgewürzen und mit Honig als Zuckerstoff hergestellt und käme nach Langzeitreifung und Nachreifung in computergesteuerten Räumen in die Ladentheke.
Man sei ein durch und durch handwerklich strukturiertes Unternehmen. Der Zukauf beschränke sich auf das gesamte Geflügelprogramm und Käse.
Aktionen, Anlässe, Veranstaltungen
Als weitsichtigem Unternehmer ist es Fleischermeister Uwe Rau natürlich bewusst, wie wichtig es ist, seinen Kunden gelegentlich auch Abwechslung zu bieten; sei es in Form von neuen Produkten oder neuen Dienstleistungen. Externe Anlässe wie christliche Feste, regionale Veranstaltungen durch die Stadt oder durch Vereine sind ihm stets willkommen, sich mit eigenen Ideen und Vorschlägen aktiv einzubringen. Unabhängig davon nutzt er die Kreativität seiner Familie, insbesondere auch Kindern Freude zu bereiten, indem er sie schon frühzeitig als Besucher an seine Fleischerei heranführt.
Einmal im Jahr lädt er deshalb Kindergarten-Abgangsgruppen mit Erzieherinnen zu einem Rundgang durch seine Produktion ein. Auf dem Programm steht dann „Bratwurstfüllen“. Das Brät sei dann bereits im Kutter und könne von dort in die Füllmaschine verbracht werden. Die Kinder würden jedes Mal staunen, wie da die „Bratwürste raus geschossen kommen“; das sei für die Kinder ein unvergessliches Erlebnis. Zur Belohnung und zwecks „Pflege des Kunden von morgen“ erhielten die Kinder dann eine Teilnahme-Urkunde, eine mit Wurst gut gefüllte Tasche sowie das Pixi-Kinderbuch „Ich hab einen Freund und der ist Fleischermeister“.
Im Übrigen achte man darauf, durch Teilnahme an der Isselhorster Werbegemeinschaft den Gütersloher Stadtteil bekannt zu machen und an regionalen Veranstaltungen möglichst mit einem eigenen Stand präsent zu sein. Zu diesen regionalen Veranstaltungen zählen:
Apfelblütenfest (in 2009 am 23./24. April)
Passend zum Motto des Festes kreiert man hier eine „Apfelbratwurst“.
Angrillen (alljährlich der letzte Freitag im April)
Vorstellung und Verkostung neuer Grillspezialitäten
Diese Veranstaltung habe sich also optimale Einstimmung der Kunden auf die Grillsaison bewährt.
Alljährlicher Isselhorster Nachtlauf
Ausrichter des Events ist die Veranstaltungsgemeinschaft Isselhorster Nacht.
Der Bedeutung des Anlasses entsprechend bedient Uwe Rau auf seinem Bratwurststand mit insgesamt sieben Personen. Folge: „Das eingespielte Team konnte die Wünsche der Besucher nach Bratwurst und Pommes Frites jederzeit zur Zufriedenheit erfüllen.“
Kirmes und Antikmarkt zu Fronleichnam
Hier profitiert die Landfleischerei mit einem eigenen Bratwurststand auch von der guten Laune und positiven Grundstimmung der Besucher
Weinfest (in 2009 am 30. August)
Passend zum Motto offeriert man auf seinem Stand Flammkuchen – und trifft ins Schwarze
Oktoberfest (dieses Jahr am 16. Oktober)
Veranstalter: Landfleischerei Rau unmittelbar vor dem eigenen Ladengeschäft
Der Erfolg des letzten Jahres beflügelt den Inhaber, in 2009 bereits zwei Spanferkel vorzuhalten, nachdem bei der entsprechenden Veranstaltung des letzten Jahres das einzige Spanferkel bereits nach wenigen Stunden ausverkauft war.
Weihnachtsmarkt
Hier ist Landfleischerei Rau traditionell stets mit einem eigenen Stand vertreten. Man kenne die Erwartungshaltung der Kunden und freue sich darauf, diese auch in der kommenden Adventszeit wieder zu erfüllen.
Erfolgsgründe
Offensichtlich ist es der Landfleischerei Rau bereits in der zweiten Generation gelungen, Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln, über die man von der Kundschaft deutlich wahrgenommen wird.
Hierzu gehören
Der nachweisbare Einkauf bei Kleinmastbetrieben, wodurch man sich deutlich von den allermeisten Supermärkten und Discountern unterscheidet.
Der Sicherheit vermittelnde Einkauf bei namentlich genannten Landwirten der Region.
Die Vertrauen schaffende Fleisch-Kompetenz der Inhaberfamilie.
Die eigene schonende, Qualität steigernde Schlachtung inkl. schlachtwarmer Verarbeitung, die offensichtlich ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis ermöglicht
Der Nachweis der Wertschöpfungskette vom Tier auf der Weide bis zum verkaufsfertigen (Wurst-)Produkt in der Theke
Die eigene wöchentlich aktualisierte und übersichtlich gestaltete Website, die vornehmlich der so wichtigen Vorab-Information der Kundschaft dient.
Nutzung und gewissenhafte Selektion der Werbeträger, unter denen derzeit die Radiowerbung mit einer Serie von insgesamt zwanzig Sechs-Sekunden-Spots favorisiert wird.
Die gruppen-individuellen (Produkt-)Angebote für die wichtigsten Zielgruppen.
Ein angemessenes Preis-Qualitätsverhältnis
Die Wohlfühl-Atmosphäre inkl. Kommunikation im Ladengeschäft
Die Präsenz auf den bedeutenden regionalen Veranstaltungen
Erlebnis vermittelnde Kreativität bei der Entwicklung neuer Produkte (14 Salamisorten, sowie „Isselhorster Ursalami“ anlässlich der 950-Jahrfeier).
Der nachweisliche Respekt vor dem Kunden, der ihm auch durch Fleischerei-Events (Angrillen etc.) entgegengebracht wird.
Die Vermittlung von betrieblicher Kontinuität und Zuverlässigkeit durch Hinweis auf die heranwachsende, dritte Unternehmer-Generation
und – ganz besonders weitsichtig:
Image-Werbung für den Beruf (vgl. Kinderbuch „Ich hab einen Freund und der ist Fleischermeister“)
Fleischermeister Uwe Rau ist überzeugt, mit einer Würdigung in der Fleischer/Metzgerblog-Serie „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ Ihnen, dem fleischerei-typischen „qualitäts- und preisbewussten Verbraucher“ die Vorzüge eines Einkaufs in einer qualifizierten, inhabergeführten und handwerklich strukturierten Fleischerei ein weiteres Stück näher gebracht zu haben.
Natürlich ließ es sich auch Uwe Rau abschließend nicht nehmen, mir als überzeugter Handwerksmeister voller Stolz seine blitzsauberen Produktionsräume zu zeigen und die einzelnen Produktionsstufen zu erläutern.
Auch Uwe Rau sieht im Sinne seiner Kundschaft weiteren Fleischer/Metzgerblog-Beiträgen aus der Serie „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ mit Interesse entgegen.
Nachstehend sehen Sie als qualitäts- und preisbewusster Kunde die Kontaktdaten der Landfleischerei Rau GmbH & Co. KG
Landfleischerei Rau GmbH & Co. KG
Steinhagener Str. 16
33334 Gütersloh-Isselhorst
Telefon: 05421-67360
Website: www.landfleischerei-rau.de
Ich grüße Sie herzlich
Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)
Link zu Beitrag No. 1 der Serie: „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ (Landfleischerei A. und B. Goldbecker, Borgholzhausen )
Link zu Beitrag No. 2 der Serie: „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ (Fleischerei Wolfgang Müller, Paderborn)
Link zu Beitrag No. 4 der Serie: „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ (Fleischerei E. Grämmel, Detmold)