Beitrag No. 2 der Serie: Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL – Heute: Struktur und Philosophie der Fleischerei Wolfgang Müller in Paderborn

By Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt

Zu meiner großen Freude zeigt sich auch Wolfgang Müller, Inhaber der Fleischerei Wolfgang Müller, Seskerbruch 9 in 33100 Paderborn meiner Bitte gegenüber aufgeschlossen, mir im Interesse seiner verehrten Kundschaft für die neue Fleischer/Metzgerblog-Serie „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ einen Einblick in seine Unternehmens-Kultur und Verkaufs-Philosophie zu gewähren.

Einen heißeren Tag (37° C) hätte ich mir für die Unterhaltung in diesem Jahr allerdings wohl kaum aussuchen können.

Mit gespannter Erwartung fahre ich zum vereinbarten Standort, nämlich zur Produktion Seskerbruch 9. Von dort aus steuert Wolfgang Müller zusammen mit seinem Sohn 22 Jahre alten Sohn Sebastian (der bereits mit 21 Jahren Fleischermeister ist) die zentrale Produktion für die Belieferung seiner insgesamt vier Paderborner Verkaufs-Filialen.

Schon bei den ersten einleitenden Sätzen wird mir klar:

Hier steht nicht nur ein qualifizierter Fleischermeister mit großer emotionaler Verbundenheit zum Fleischerhandwerk vor mir, sondern auch ein Geschäftsmann mit einem kunden-orientierten Konzept und einem feinen Gespür für den Markt.

Die Produktion

Wolfgang Müller nutzt die Vorzüge seiner ostwestfälisch-lippischen Heimat, seine Schweine und Bullen in unmittelbarer, regionaler Nachbarschaft einkaufen zu können. Er kenne, so führt er aus, seine Bauern persönlich und arbeite zurzeit vorwiegend mit zwei Lieferanten. Von dem einen Landwirt erhalte er die Schweine und von dem anderen die Bullen. Durch Kenntnis der jeweiligen Fütterungsmethoden könne er eine solide und von ihm vor Ort überprüfbare Qualitäts-Konstanz erwarten und es sei zudem ein Herkunftsnachweis dem Kunden gegenüber möglich.  Das schaffe Vertrauen.

Die Filialen

Die Fleischerei Müller ist in vielerlei Hinsicht unverwechselbar. Bemerkenswert ist hier zum einen die Anzahl von insgesamt vier Paderborner Filialen. Zum anderen ist die unterschiedliche Struktur dieser Niederlassungen von Bedeutung. Denn

Die beiden Filialen in der Paderborner Kernstadt

Im Schildern 12  – geleitet von Ehefrau Cornelia Müller
sowie Ingolstädter Weg 13

entsprechen jeweils der Vorstellung vom klassischen Ladengeschäft mit Bedientheke.

Im Unterschied dazu liegen die beiden anderen Filialen außerhalb der Kernstadt jeweils in einem der Supermärkte der Rewe-Gruppe in der

Driburger Straße 44
bzw. Elsener Straße 18

Was auf den ersten Blick hier ein wenig überraschend erscheint, entspricht jedoch  einem offenbar sorgfältig durchdachten und stimmigen Konzept. Denn der Fleischermeister erläutert seine diesbezügliche Strategie wie folgt:

Die kunden-orientierte Geschäfts-Philosophie

Während seine Kundschaft im Falle seiner beiden Ladengeschäfte Im Schildern 12 sowie Ingolstädter Weg 13 von der exzellenten fußläufigen Erreichbarkeit Nutzen ziehe, könne seine Kundschaft außerhalb der Kernstadt von der Erreichbarkeit per Auto und dem hervorragenden Parkplatz-Angebot der Supermarkt-Filialen profitieren.

Da man im Hause Müller konsequent auf Service setze, gäbe es in allen vier Filialen ausschließlich Verkauf mit Bedientheke.

Und dann erläutert der Fleischermeister seine Entscheidung, neben den zwei „klassischen“ Ladengeschäften auch zwei eigene Fleischtheken in Rewe-Märkten zu betreiben wie folgt:

Er sei überzeugt, rechtzeitig die Strategie im Hause Rewe erkannt zu haben, im Unterschied zu vielen anderen Supermarkt-Ketten die Fleischtheken durch Filialen selbständiger Fleischereien betreiben zu lassen. So habe er auf entsprechende Angebote der Kette positiv reagiert, da man sich auf nachstehende Konditionen einigen konnte:

Bei Fleischerei Müller gibt es ausschließlich Verkauf mit Bedienung – und folglich keinerlei SB-Ware
Das Fachgeschäft Fleischerei Müller wird als solches deutlich gekennzeichnet
Das Verkaufs-Team der Fleischerei trägt typische, unverwechselbare weiß-blaue Kleidung,
Fleischerei Müller verpackt in eigenen Tüten mit eigenem Logo
Fleischerei Müller bestimmt exklusiv über ihr Sortiment und ihre Preise

Wolfgang Müller sieht in diesem Shop-in-Shop-System der Supermarkt-Kette ein sinnvolles und tragfähiges Konzept. Denn zum einen könne er so auch in nicht zentral gelegenen Standorten von der Attraktivität und Kunden-Frequenz eines gut beleumundeten Supermarkts profitieren. Zum anderen könne er dabei insbesondere solchen Kunden besonderen Nutzen stiften, die u. a. auf folgende Angebots-Merkmale Wert legen:

regional-typische Produkte aus OWL
fleischerei-typische Frische
und
kompetenter, freundlicher Service

Durch die besondere Lage der vier Filialen – hier Fußläufigkeit in 1A-Lage und dort Attraktivität durch Supermarkt-Niederlassungen – könne man sich voll auf das Tagesgeschäft konzentrieren.

Die Wahrnehmung durch die Kundschaft

Hierzu erläutert der Fleischermeister wie folgt:

  • Durch das Grundprinzip, nur Filialen mit Bedienung zu betreiben, habe er an allen Standorten einen ausgesprochen hohen Prozentsatz an Stammkunden.
  • Fleischerei Müller sei bekannt für herausragende Service-Leistungen. Folge: Wenn ein Kunde eine besondere Beratung brauche, käme er zu ihr. So habe jüngst eine Dame acht Rouladen bestellt, die möglichst alle gleich groß sein sollten. Es sei ihm eine Freude gewesen, auch einen solchen Wunsch zufrieden stellend zu erfüllen.Im Übrigen würde er in seiner Überzeugung, mit besonderem SERVICE am Kunden auf dem richtigen Wege zu sein immer wieder durch entsprechendes Kunden-Feeedback bestärkt. Ohnehin könne man die Bedeutung, die in Deutschland inzwischen generell dem Thema Service beigemessen würde, auch Branchen übergreifend feststellen. So habe eine große Tankstellen-Kette sogar den „Tankwart wieder eingeführt“.
  • Bei der Erfüllung der Wünsche der Convenience-Liebhaber konzentriere man sich erfolgreich auf den Mittagstisch. Man habe eine Gaststätten-Lizenz für alle vier Filialen. Mittags-Menüs in Menüschalen für Außer-Haus-Verzehr würden in allen Filialen gleichermaßen gut angenommen. Der Kunde habe die Wahl zwischen täglich wechselnden Angeboten – jeweils zwischen Eintopf und Menü. Viele Kunden machten auch gern von der Möglichkeit Gebrauch, sich ihr Menü selber zusammenzustellen.
  • Die mit Abstand bedeutendste Teil-Zielgruppe sei jedoch die Gruppe der Liebhaber regional-typischer Spezialitäten, die man primär mit Hausmacher Angeboten bediene. Hierbei habe es sich in seinen Filialen bewährt, Spezialitäten der ostwestfälisch-lippischen Region anzubieten. Das Geschmacksempfinden sei in Deutschland in den einzelnen Bundesländern nun einmal unterschiedlich, was man als Fleischermeister in seinen Überlegungen beachten solle. Ein Fleisch- oder Leberkäse habe in südlichen Regionen der Republik nun einmal eine andere Wertschätzung als nördlich des Mains. Abgesehen von besonderen saisonalen Events konzentriere man sich deshalb auf Spezialitäten der eigenen Region. So seien diese regional-typischen Spezialitäten insbesondere auch im Winterhalbjahr stark nachgefragt.Der Kohlwurst und des Wurstebreis wegen kämen die Kunden dann sogar aus einem Umkreis von bis zu 40 Kilometern aus Bielefeld und Wünnenberg. Ähnliches gälte für Leberwurst, Blutwurst und Sülze. Auch die Salami sei hausgemacht. Hier habe man inzwischen sieben verschiedene Varianten, die sich zur Freude der auf Abwechslung bedachten Genießer unter den Kunden deutlich wahrnehmbar voneinander unterschieden.Zudem habe sich ein begrenzter Zukauf solcher Spezialitäten der Region bewährt, die „jeder kennt“.Stark nachgefragt würde alljährlich ab „Mantelsonntag“ (dieses Jahr am 15. November) bis Weihnachten auch die außer-regionale Schlesische Weißwurst.
  • Alle zwei bis drei Jahre veranstalte man einen besonderen Event in Form eines Hoffestes. Darüber hinaus habe man kürzlich die begeisterte Kundschaft mit einem „Show-Kochen“ in der Filiale Im Schildern 12 erfreut.
    Auch sei Fleischerei Müller traditionell auf dem Paderborner Frühlingsfest vertreten.
    Des Weiteren partizipiere man am traditionsreichen Paderborner Libori
    Alljährlich freue sich die Kundschaft auf den Paderborner Weihnachtsmarkt in der Paderborner Kernstadt. Hier profitiere man von der 1A-Lage des Ladengeschäftes Im Schildern 12.
  • Neben dem hochgeschätzten Endverbraucher bediene man auch ebenso gern den Kollegen-Betrieb mit handwerklicher Spitzenqualität. Hier seien insbesondere solche Qualitätsprodukte bei ihm nachgefragt, die manch ein Fleischermeister aufgrund zu kleiner Abverkaufsmengen selber nicht kostengünstig herstellen könne.
  • Die Erfolgsgründe der Fleischerei Müller sind offensichtlich vielfältig.

    Zum einen profitieren Sie als Kundin oder Kunde von der zentralen Lage oder guten Erreichbarkeit sämtlicher vier Verkaufs-Standorte.

    Des Weiteren hat die Fleischerei Müller offenbar ein deutlich wahrnehmbares Profil, das durch

    Qualität
    Auswahl
    Frische

    regional-typische Spezialitäten
    Kompetenz
    und
    Service

    umschrieben werden könnte.

    Gefragt nach dem Haupt- oder KERN-Nutzen, den die Fleischerei Müller ihrer Kundschaft stifte, braucht Wolfgang Müller nicht lange zu überlegen. Sein Alleinstellungsmerkmal sei der ganz besondere SERVICE, den er dem Kunden biete. So sei eine große Vielzahl der Beschäftigten bei der Fleischerei Müller auch ausgebildet worden und habe den Nachdruck, der dort auf SERVICE am Kunden gelegt wird, von Anfang an vermittelt bekommen. Man pflege mit dem Kunden ein hohes, respektvolles Kommunikations-Niveau, das zur nachhaltigen Kundenbindung und zum Erzielen Kauf entscheidender Emotionen beitrüge.

    Die derzeitige Betriebsgröße von vier Filialen ließe sich zudem gut überschauen. Für die Zukunft gälte es deshalb, nicht unbedingt zu wachsen, sondern das Niveau zu optimieren.

    Ein ganz entscheidender Faktor für den Erfolg des Unternehmens ist jedoch die außergewöhnliche Kommunikationsbereitschaft des Inhabers. So gelingt es Wolfgang Müller immer wieder problemlos, Aufmerksamkeit bei den Medien zu erzielen. So habe er zum Beispiel jüngst den persönlichen Einkauf des Erz-Bischofs in seiner Fleischerei in die regionale Presse lancieren können.

    Darüber hinaus gilt Wolfgang Müller als ausgesprochen gesellig. Er ist im Paderborner Schützenverein aktiv, was ihm die Aufmerksamkeit und Wertschätzung von 4.000 Mitgliedern sichert. Auf dortigen Versammlungen würde er immer wieder aufs Neue „angesprochen“, auch wenn es um die Ausrichtung von privaten Feiern der Mitglieder geht.

    Im Übrigen freue auch er sich, hier auf Fleischer/Metzger-Blog als einer der Ersten eine Würdigung erfahren zu haben. Denn auch Wolfgang Müller ist von dem besonderen Nutzen der Fleischer/Metzgerblog-Serie „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ für den fleischerei-typischen „qualitäts- und preisbewussten Verbraucher“ überzeugt. Und das umso mehr, je mehr qualifizierte und kommunikative Fleischereien der Region hier vorgestellt werden.

    Ich grüße Sie herzlich

    Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

    Link zu Beitrag No. 1 der Serie: „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ (Landfleischerei A. und B. Goldbecker, Borgholzhausen)
    Link zu Beitrag No. 3 der Serie: “Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL” (Landfleischerei Rau, Gütersloh-Isselhorst)
    Link zu Beitrag No. 4 der Serie: “Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL” (Fleischerei E. Grämmel, Detmold)

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    Eine Antwort zu „Beitrag No. 2 der Serie: Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL – Heute: Struktur und Philosophie der Fleischerei Wolfgang Müller in Paderborn“

    1. Beitrag No. 3 der Serie: Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL – Heute: Strategie und Alleinstellungsmerkmale der Landfleischerei Rau GmbH & Co. KG in 33334 Gütersloh-Isselhorst « Fleischer/Metzger-Blog sagt:

      [...] (Landfleischerei A. und B. Goldbecker, Borgholzhausen ) Link zu Beitrag No. 2 der Serie: „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ (Fleischerei Wolfgang Müller, Paderborn) Link zu Beitrag No. 3 der Serie: „Kunden-orientierte Erfolgsmodelle aus OWL“ [...]

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