Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
auf den ersten Blick scheint die Beantwortung der obigen Frage aus Sicht einer inhabergeführten handwerklichen Fleischerei/Metzgerei recht einfach zu sein. Für Sie, als Fleischer/Metzgermeister drängt sich die Antwort auf:
„Natürlich im Fleischer/Metzger-HANDWERK!“
Ihre im Ladengeschäft im Verkauf tätige Frau oder Lebensgefährtin wird stattdessen vielleicht antworten:
„Natürlich im Fleisch- und Wurst-HANDEL!“
So unterschiedlich beide Sichtweisen auch sind – in einem Punkt sind sie gleich: Beide orientieren sich am PRODUKT.
Vom metzgerei-typischen „qualifizierten Endverbraucher“ jedoch wird die Wertschöpfung Ihres Betriebes auf einer ganz anderen Ebene wahrgenommen. Er betritt Ihr Ladengeschäft, weil er sich von der Annahme Ihres Angebots einen bestimmten persönlichen Nutzen verspricht, nämlich die Erfüllung seiner Erwartungen bzw. Wünsche. Eine solide Produkt-Qualität und ein gewisser Sortiments(Grund-)Umfang werden hierbei vom Kunden schlicht vorausgesetzt. Zur Unterscheidung –und eventuellen Bevorzugung- Ihres Betriebes werden vom Kunden jedoch primär Faktoren aus der Ebene der persönlichen Nutzenstiftung in die Waagschale geworfen.
Nachstehend hierzu einige Beispiele
Der Lokal- oder Regionalpatriot
Er bevorzugt Produkte mit Regional-Provenienz, die ihm schon beim Kauf in Ihrem Ladengeschäft ermöglichen, sich mit Ihrer Region zu identifizieren und sich Ihnen gegenüber entsprechend zu outen.
Der Ernährungsbewusste
Er favorisiert beim Kauf Erzeugnisse mit einem nutzengeprägten Image, das seiner Gesundheits-Orientierung entspricht. Er steuert Ihr Ladengeschäft dann an, wenn Sie für ihn diesbezüglich die beste erreichbare Alternative auf dem Markt darstellen.
Der neugierige Impulskäufer
Da er stets offen für neue Kreationen oder innovative Produkte ist, überzeugen Sie ihn durch Abwechslung in Ihrem Programm. Je besser Sie also Ihre persönliche Kreativität einbringen, umso unverwechselbarer werden Sie für ihn, umso deutlicher fühlt er sich von Ihnen respektiert.
Die Listung ließe sich eine ganze Weile fortsetzen.
Einen Wettbewerbsvorteil der besonderen Art stellen Sie dann her, wenn es Ihnen gelingt, mindestens zwei Faktoren in der Ebene der Nutzenstiftung miteinander zu kombinieren, also zum Beispiel einem Kunden zu ermöglichen, beim Kauf eines Ihrer Produkte Regionalstolz und Ernährungsbewusstsein gleichzeitig zu demonstrieren.
Fazit:
Je eher Sie folglich bereit sind, die Sichtweise Ihrer Kunden oder Ihrer wichtigsten Kundengruppen zu übernehmen, umso eher werden Sie erkennen, weder im Fleischer-HANDWERK noch im Fleisch- und Wurst-HANDEL tätig zu sein, sondern vom Kunden als DIENSTLEISTER wahrgenommen zu werden. Je besser Sie sodann als DIENSTLEISTER in der Lage sind, die Wünsche und Erwartungen Ihrer Kunden zu wecken und zu erfüllen, umso erfolgreicher könnten Sie auch in Zukunft sein.
Ich grüße Sie herzlich
Schlagworte: Kreativität, Metzger-Blog, Fleischerblog, Kundengruppe, inhabergeführt, Handwerk, Ernährungsbewusstsein