Das Online-Blog-Interview mit Doris Siegle aus der Fleischerfachgeschäft Helmut Siegle GmbH in 74321 Bietigheim-Bissingen
Blog-Moderator Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt:
Guten Tag Frau Siegle, als Administrator von Fleischer/Metzger-Blog bin ich ständig auf der Suche nach solchen Anregungen und Zielsetzungen für die Fleischer/Metzger-Branche, die aufgrund ihres sinnvollen Konzeptes und aufgrund ihrer besonderen Nachhaltigkeit Vorbildcharakter für die Branche haben könnten. Auffällig sind dabei natürlich primär solche Ideen gebenden Damen und Herren, die sich wie Sie über Auszeichnungen, Würdigungen in Fachzeitschriften und/oder Fach-Referate überregional einen Namen gemacht haben.
Die besten Empfehlungen zur Kontaktaufnahme kommen jedoch, wie nicht anders zu erwarten ist, aus dem Kollegenkreis. So erreichte mich jüngst eine diesbezügliche Information Ihres Kollegen Ludger Freese, der von Ihrem jüngsten Referat vor dem Erfa-Kreis Bremen/Niedersachsen nach Inhalt und Form begeistert war und mir nahe legte, zu Ihnen Kontakt herzustellen.
Erfreulicherweise haben Sie sich zu einem exclusiven Online-Blog-Interview bereit erklärt.
Sie sind gemeinsam mit Ihrem Ehemann Frank Siegle vertretungsberechtigte Geschäftsführer der Fleischerfachgeschäft Helmut Siegle GmbH, Jahnstr. 15 in 74321 Bietigheim-Bissingen, die Sie in nunmehr dritter Generation verantwortlich leiten.
Die Wertschöpfungskette Ihres Unternehmens vollzieht sich durchgängig vom Tier auf der Weide, das von Bauern auf Höfen der Nachbarschaft artgerecht gehalten wird, über die eigene Schlachtung und handwerkliche Produktion bis zum verkaufsfertigen Qualitätsprodukt in der Ladentheke. Allein durch den bedeutsamen Umfang dieser Wertschöpfungskette unterscheiden Sie sich bereits von einem Großteil Ihrer Kollegen-Betriebe – und natürlich insbesondere auch von Supermärkten und Discountern.
1) Frage Blog-Moderator:
Könnten Sie unseren Lesern die dahinter stehende Philosophie ein wenig näher erläutern?
Antwort Doris Siegle
Wir legen großen Wert auf Qualität in allen Arbeits-Prozessen und –Schritten. Daher ist es für uns selbstverständlich nur Tiere aus artgerechter Haltung von uns zum Teil seit Jahrzehnten persönlich bekannten Bauern aus der unmittelbaren Umgebung zu beziehen. Unsere Räumlichkeiten wurden in den letzten Jahren kontinuierlich auf dem Stand der aktuellen Vorschriften gehalten, so dass wir nunmehr als einer der ersten Kleinschlachtbetriebe die EU-Zulassung erhalten. Diese beiden wichtigen Punkte ermöglichen es uns, unseren Kunden die Sicherheit eines gesunden Lebensmittels zu garantieren, geschaffen an Arbeitsplätzen und durch Menschen aus der Region, die mit Freude, Motivation und Kompetenz ihr Handwerk erfüllen. Unsere Kunden finden bei uns noch alles unter einem Dach: Schlachtung, Zerlegung, Produktion und Verkauf.
Blog-Moderator
Hierdurch haben Sie offensichtlich ganz besondere Voraussetzungen geschaffen, der Erwartungshaltung des metzgerei-typischen „anspruchvollen Verbrauchers“ zu entsprechen. Das ist für mich gleichzeitig ein deutlicher Hinweis auf eine eindeutig kunden-orientierte Unternehmensführung.
2) Frage Blog-Moderator
Wie wird Ihrer Meinung nach Ihr Fleischerfachgeschäft von der Kundschaft wahrgenommen? Worin besteht Ihre unternehmerische Kompetenz im Allgemeinen und worin Ihre Fachkompetenz im Besonderen?
Antwort Doris Siegle
Wir bezeichnen uns zwar als Metzgerei, da dies natürlich auch der süddeutsche Ausdruck im Sprachgebrauch ist. Die Bezeichnung FACHGESCHÄFT für eines der gesündesten und hochwertigsten Lebensmittel – Fleischerfachgeschäft – erscheint mir aber bezeichnender für unser Unternehmen. Als dieses sind wir für unsere Kunden eindeutig wahrzunehmen, da sowohl in Produktion als auch im Verkauf ausschließlich Fachpersonal – natürlich mit entsprechendem Lohnkostenniveau – beschäftigt wird. Dies ist unsere Kernkompetenz, ohne uns in viele weitere Nebenbereiche zu verzetteln, die wir konsequent ausbauen und verbessern. Als ein solches hochkompetentes „Fachgeschäft“ werden wir auch von unseren Kunden wahrgenommen und geschätzt. Unsere Fachkompetenz besteht daher auch – wie der Name schon sagt – im detaillierten Wissen um z. B. Fleischqualität, Zubereitung, Reifung, Produkte, Inhaltsstoffe, aber auch das Wissen um Verkaufspsychologie, Wirkung der Körpersprache, nicht zuletzt wichtiges Ernährungwissen.
Was aber unser Fachgeschäft am meisten hervorhebt ist die von Herzen kommende Motivation und Herzlichkeit – aus Überzeugung und nicht gekünstelt, weil als Vorschrift angesehen.
Blog-Moderator
Sie haben im Jahre 2007 erfolgreich eine Fortbildung zur „Fachfrau für Ernährungsfragen im Fleischerfachgeschäft“ mit Zertifikat abgeschlossen. Das Thema Ernährung rückt insbesondere vor dem Hintergrund der Gentechnik-Diskussion immer stärker in den Vordergrund. Viele Leute sind verunsichert.
3) Frage Blog-Moderator:
Wie vermitteln Sie Ihre so wertvolle Ernährungs-Kompetenz? Und – auf welchem Sektor sind Sie dabei besonders innovativ?
Antwort Doris Siegle
Natürlich war es zuallererst wichtig, meinen Kolleginnen im Verkauf, dieses Wissen und aber auch – und das halte ich für unerlässlich – meine EIGENE „Leidenschaft“ für dieses Wissen bzw. für das ständige Weiterlernen im Allgemeinen weiterzuvermitteln. Ich schule daher meine Damen selbst, regelmäßig, wenn wir es zeitlich ermöglichen können, alle 4 bis 6 Wochen. Auch heute noch, und zwar auf Wunsch meiner Mitarbeiterinnen, um zu wiederholen und auch über neue Erkenntnisse zu diskutieren. Denn natürlich ist die Aufmerksamkeit meiner Mitarbeiterinnen in Bezug auf dieses Thema in den Medien stark fokussiert. Ich habe da auch eine ganz einfache Methode, um sicherzustellen, dass Wissen auch „gelernt“ wird, dies darzustellen würde jetzt sicherlich zu umfangreich werden.
Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, rhetorisch im Verkauf wirklich „fit“ zu sein, damit der Verkäufer dieses Wissen auch weitergeben kann. Es nützt nichts, wenn ich viel weiß, dies aber nicht wirklich auch zeigen und weitergeben kann. Es war daher meine Aufgabe, meine Damen entsprechend zu schulen, damit das erworbene „Ernährungswissen“ im Gespräch, nebenbei, in einem Nebensatz, wenn Sie so wollen, mit einfließt, ohne überheblich, aufdringlich oder besserwisserisch zu klingen. Kein Kunde kam zu uns und sagte: Ich habe die und die Beschwerden, was soll ich tun? Wir sind keine Arztpraxis. Aber jeder Kunde freut sich, wenn man ihm „kleine“ Informationen mit auf den Weg gibt, z. B. Haben Sie schon mal unsere Rinderlyoner probiert? Sie wird hergestellt aus viel magerem Rindfleisch, natürlich aus eigener Schlachtung und wie immer haben wir unsere Tiere von unserem Bauern…… Sie enthält nur 18 % Fett, viel hochwertiges Vitamin B2, Eisen, Zink und Selen. Sie wissen ja, Eisen ist wichtig für…. usw. usw.
Natürlich braucht man dafür Personal, das diese Philosophie und diese Einstellung versteht, mitlebt und weiterführt. Und man muss den Kunden zuhören, natürlich das, was sie sagen, aber auch das, was sie nicht – deutlich – aussprechen. Dann erfährt man, was die Kunden „bewegt“.
Und da ist mir natürlich in den letzten Jahren ein ganz großes Defizit an Ernährungswissen aufgefallen. Der moderne Mensch hat verlernt, sich vernünftig und gesund zu ernähren. Dies bewirkt eine große Verunsicherung und Unsicherheit. Und durch unsere fachliche Kompetenz und natürlich auch unsere Ernährungskompetenz haben wir das Vertrauen und die Nähe zu unseren Kunden erhalten und vielfach neu geschaffen.
Blog-Moderator:
Ein Unternehmen, und das gilt insbesondere für ein beratungs-intensives Fleischerfachgeschäft wie das Ihre, ist nur so gut wie die Geschäftsführung und das ganze dahinter stehende Team. Mitarbeiterführung und Mitarbeiterschulung genießen bei Ihnen deshalb oberste Priorität.
4) Frage Blog-Moderator
Könnten Sie erläutern, wie Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen bzw. schulen? Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?
Antwort Doris Siegle
Wie ich ja schon erwähnte, ist natürlich oberster Grundsatz meine Vorbildfunktion. Nur wenn ein Mitarbeiter sieht, dass ich vorausgehe und in diesem speziellen Fall, dass auch ich mir die Zeit nehme, um meine Mitarbeiter zu schulen oder auch selbst zielstrebig Weiterbildung betreibe, wird er meine Kompetenz auch anerkennen. Ich lege sehr viel Wert darauf, in meiner Führungsarbeit Freiraum für persönliche Entwicklung und Entfaltung meiner Mitarbeiter zu schaffen, mit dem Ziel, motiviert und selbständig Eigenverantwortlichkeit in den verschiedenen Arbeitsbereichen zu schaffen. Auf der anderen Seite muss der führende in seinem Handeln Konsequenz zeigen. Ich fordere eine hohe Leistungsqualität von meinen Mitarbeitern, ich fördere sie aber auch in der Entwicklung dieser Leistungsqualität. Hierzu versuche ich, meinen Mitarbeiter kennen zu lernen und zu erfahren, wo seine Vorlieben und Stärken, die er vielleicht selbst noch gar nicht kennt, liegen. Zuhören ist ganz wichtig. Das Thema „Mitarbeiterführung und Motivation“ ist von großer Bedeutung und eine Darlegung aller meiner Grundsätze würde diesen Rahmen sicher sprengen.
Blog-Moderator
Ein Unternehmen, und vornehmlich auch ein Fleischerfachgeschäft kann vom Kunden aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Da ist zum einen die reine Produkt-Ebene, also Ihre in Eigenregie handwerklich hergestellten Produkte – und da ist zum anderen die Kauf entscheidende Ebene der Nutzenstiftung für den Kunden.
In der Produkt-Ebene legen Sie offensichtlich den Schwerpunkt auf regionale Wurstwaren, die Sie durch internationale Delikatessen und ausgesuchten Käse ergänzen.
In der so wichtigen Ebene der Nutzenstiftung für den Kunden berücksichtigen Sie gar ein unterschiedliches Wünschespektrum verschiedener Kundengruppen. Das heißt im konkreten Fall, Sie unterteilen Ihre Kundschaft nach besonderen Wünschen, Vorlieben, Sehnsüchten und/oder Erwartungen, durch welche die jeweilige Kundengruppe beim Kauf einzelner Erzeugnisse gesteuert wird. Auffällig sind bei Ihnen hier Kunden- oder Teilzielgruppen wie Diabetiker u. a.; Sie offerieren „Wurstwaren ohne Zugabe von Laktose“ sowie die Produktlinie „glutamatfrei“.
5) Frage Blog-Moderator
Könnten Sie mit Überzeugung die Feststellung treffen, durch auf Kundengruppen zugeschnittene (Produkt-)Angebote im Laufe der Zeit
a) Ihre Reichweite für diese Produktgattungen und somit für Ihren ganzen Betrieb vergrößert zu haben?
b) Generell einen entscheidenden Wettbewerbsvorsprung erzielt zu haben, da Ihr Unternehmen ganz entscheidend Profil gewonnen hat?
Antwort Doris Siegle
Ganz genau. Wir haben sehr viel neue Kunden gewonnen durch unsere Beratungs- und Fachkompetenz, vor allem im Hinblick auf gesunde Ernährung und das entsprechende Wissen darum.
Blog-Moderator
Ein solcher Vorsprung ist umso bemerkenswerter, als er nicht nur in der Produkt-Ebene sichtbar wird, sondern insbesondere auch zu der so wichtigen Kundenbindung durch Wunscherfüllung führt.
6) Frage Blog-Moderator
Welche Anstrengungen unternehmen Sie oder welche Strategie verfolgen Sie zurzeit, um diesen bemerkenswerten Vorsprung zu halten bzw. auszubauen?
Antwort Doris Siegle
Ich würde dies nicht als Anstrengung bezeichnen. Es ist meine Überzeugung und die Art, wie ich FLEISCHERFACHGESCHÄFT verstehe, mein Wissen, unser Wissen und Können immer auf dem neuesten Stand zu halten, aktuelle Entwicklungen gerade auf dem Ernährungssektor zu beobachten und dementsprechend schnell und flexibel auf die Wünsche unserer Kunden eingehen zu können. Gleichzeitig – und das ist wirklich unerlässlich und zwingende Grundlage, auch wenn wir das hier seither nicht so ausdrücklich erwähnt haben – haben wir 100% Produktqualität und absolute Frische. Und da bin ich auch sehr, sehr kritisch und anspruchsvoll mit meiner Produktion. Das ist absolute Basisqualität, über die nicht mehr diskutiert werden darf. Das ist sogar die Erwartungsqualität, das, was der Kunde von einem Fleischerfachgeschäft erwartet. Wir von Siegle setzen noch zwei weitere Stufen auf. Wir arbeiten an der Überraschungsqualität und an der (Außen)Wirkung des Personals.
Eine provokative rhetorische Gegenfrage: Warum sonst unterscheidet sich ein Fachgeschäft vom Discounter?
Blog-Moderator
Offensichtlich haben Sie stets ‚das Ohr am Markt’. Sie registrieren sorgsam Kundenwünsche und –Erwartungen. Und Sie überlegen, wie Sie diese Wünsche durch Ihr (Produkt-)Angebot und Ihren (Beratungs-)Service bestmöglich erfüllen können. Es ist jedoch ein großer Unterschied zwischen dem, was man als Unternehmer möchte und dem, was sich letztlich real von den vielen Ideen umsetzen lässt. Das heißt, in Ihr Unternehmen ist sicherlich nur ein Bruchteil aus der Vielzahl von Ideen eingeflossen, die Sie zuvor in Betracht gezogen haben. Es wäre interessant zu erfahren, inwieweit Ihr offensichtlicher Erfolg am Markt aber auch bewusst unkonventionelles Denken zur Voraussetzung hatte.
7) Frage Blog-Moderator
Würden Sie sich als Querdenkerin bezeichnen?
Antwort Doris Siegle
Ich denke eigentlich nicht „quer“. Ich denke nur in die für mich einzig mögliche Richtung.
Ich weiß immer, wo wir stehen und ich weiß, wo ich hin möchte.
Und das ist doch eigentlich eine gerade Linie, oder nicht? – was nicht heißt, dass man nicht immer mal wieder ein paar kleine Kurskorrekturen vornehmen muss, um das Ziel zu erreichen. Und wenn wir es erreicht haben, gibt es genügend Steigerungen…..
Blog-Moderator
Mit der Beantwortung der letzten Frage haben Sie, Frau Siegle ein gutes Stichwort zur Erörterung Ihrer künftigen Standort-Politik bzw. Zielsetzung Ihres Unternehmens gegeben. Ich freue mich darauf, das Online-Blog-Interview in Kürze mit Ihnen fortzusetzen.
Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)
Beitrags-Link zu Teil zwei des Online-Blog-Interviews
Schlagwörter: artgerechte Tierhaltung, Auszeichnung, Ernährung, Ernährungs-Kompetenz, Fachgeschäft, Fachkompetenz, Fleischerblog, glutamatfrei, Kleinschlachtbetrieb, Metzger-Blog, Mitarbeiterführung, Motivation, Nachhaltigkeit, Nutzenstiftung, Produkt-Ebene, Verkaufspsychologie, Wünschespektrum, Wertschöpfungskette
Mai 17, 2009 um 9:46 am |
Ein sehr informatives Interview, Herr Schmidt.
Mit Doris Siegle haben sie eine sehr zielgerichtete Kollegin gefunden. Das Kollegenpaar reicht nicht “nur Fleisch über die Theke” [einige Fleischer nennen das verkaufen] – sondern macht aus einem Besuch der Metzgerei ein Event der besonderen Art. Fleisch mit Empfehlungen zu kaufen – nur damit können wir Fleischer uns abheben.
Wer das erreicht hat, wird schnell und gerne von Kunden weiter empfohlen.
Ich freue mich auf den 2.Teil des Interviews mit Doris Siegle. Meine nächste Fahrt in den Süden wird über Bietigheim-Bissingen sein…
Mai 17, 2009 um 11:27 am |
@ Ludger Freese
Guten Morgen Ludger,
danke für Deine hohe Meinung, über die ich mich natürlich sehr freue.
Meine Mitarbeiter und wir sind aber auch nur Menschen, wir haben gute und weniger gute Tage, wir – im Verkauf ja hauptsächlich Frauen – sind auch Mütter und entsprechend gefordert….
Voraussetzung und nicht mehr zu diskutierende Grundlage in unserem Haus ist und bleibt die überdurchschnittliche Qualität unserer Ware, genauso wie die überdurchschnittliche Erfüllung aller fachlichen und hygienischen Vorschriften, auch und vor allem bezüglich der EU-Zulassung, die wir ja, wie Du weißt, trotz eines gewachsenen Traditionsbetriebes und mittels ständiger Weiterentwicklungen und Investitionen in den letzten Jahren erhalten haben.
Wichtig ist aber, dass bei uns jeder einzelne weiß, um was es geht, vor allem in der momentanen Situation, wo die Wirtschaftskrise den Großraum Stuttgart richtig heftig trifft.
Das setzt eine Mitarbeiterphilosophie voraus, die Vertrauen, Offenheit und Wertschätzung in den Mittelpunkt stellt,
Zuhören können – Kunden und Mitarbeitern – ist eine der wichtigsten Fähigkeiten.
Herzlichkeit – konsequent vorgelebt, überträgt sich auf die Mitarbeiter und vom Mitarbeiter auf den Kunden. Herzlichkeit – von Herzen kommend, aus Überzeugung – nicht nur in der Unternehmensphilosophie schriftlich festgehalten sondern spürbar von jedem einzelnen im Unternehmen verinnerlicht, braucht keine “Inszenierungen” als Events oder Shows.
Diese Herzlichkeit wird vom Kunden in jedem “Augen”blick, jeder Geste, jedem Lächeln wahrgenommen, vom ersten Moment an, indem er den Verkaufsraum betritt.
Die Fachkenntnisse,die man dem Kunden mitgibt, wenn es im Verkaufsablauf passt – und nur dann, sonst wirkt es aufdringlich und besserwisserisch, sind “nur noch” das Sahnehäubchen: Wissen ohne Seele und Leidenschaft wirkt überheblich, nicht überzeugend, denn
“Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar.” (Antoine de Saint-Exupéry)
Viele Grüße
Doris
Mai 17, 2009 um 2:49 pm |
@Doris und @Fleischerbranche
Bekomme gerade per Fax meinen Spruch der Woche! “Nicht unser Leiden führt uns weiter, sondern unsere Leidenschaft!” (Reinhard K. Sprenger)
Paßt doch gut zum Thema.
Mai 29, 2009 um 4:47 pm |
Ich frage mich, ob das was Frau Siegle in Bezug auf Ernährungsaufklärung betreibt, auch mit Kochaufklärung funktionieren würde? Das finde ich als Thema noch spannender und kundenorientierter. Hat da eventuell ein Kollege einen Tipp, wie man das durch Personalgewinnung, -auswahl, -schulung und/oder Motivation optimieren könnte? Im Windsurfgeschäft können die Verkäufer schließlich auch alle surfen. Unsere Verkäufer müssen dahingehend leidenschaftliche Köche sein. Die Gesundheitsberatung, über das übliche Maß hinausgehend, würde ich bei den Ärzten lassen.
Juni 21, 2009 um 11:35 am |
Hallo Herr Ludwig,
lesen Sie bitte mal Teil zwei dieses Beitrags.
Ich habe mich explizit gegen die “Berufs”-Bezeichnung “Ernährungsberater” ausgesprochen.
Es geht da um viel tiefliegendere Sachen – Wissen verführt und Wissen verkauft! Das ist der springende Punkt.
Wenn Ihre Verkäuferinnen keine Ahnung haben von den “Gesundheitstrends”, von den Fragen um die vermeintlich richtige oder falsche Ernährung, wenn sie nicht einmal den Fettgehalt Ihrer Wurstwaren wissen, wenn sie auf provozierende Fragen nach Glutamat oder Cholesterin Unsicherheit an den Tag legen, wie sollen diese Verkäuferinnen aktiv und kompetent einen Kunden “BERATEN” können und – um die wirtschaftliche Seite anzusprechen – Umsatz machen? Denn um das geht es doch schließlich und endlich.
Wir stehen mit unserem Fachgeschäft mit etlichen Mitbewerbern in “Fahrradnähe” in Konkurrenz (ca. 10 Fachgeschäfte, 5 – 6 Discounter wie 2 x EDEKA, Kaufland, REWE,ECE-Center usw.)
Kochkenntnisse alleine genügen bei uns in diesem Konkurrenzumfeld schon lange nicht mehr. Diesen Punkt haben wir schon vor Jahren “abgearbeitet” durch intensiv (alle vier bis sechs Wochen) durchgeführte Aktiv-Kochseminare für unsere Kunden, durch “Mottoshows” für Mütter, Kinder, Jugendliche usw.
Aus meiner Erfahrung für die bei uns vorherrschende enorme Konkurrenzdichte ist die einzig erfolgreiche Kompetenz-Kombination ein allgemeines Wissen um die “Kochkunst” und aber ein wirklich vorhandenes Spezial-FACH-Wissen um unsere Produkte – und dazugehört, dass ein Verkäufer im Fachgeschäft Ahnung davon hat, warum Fleisch eines der hochwertigsten natürlichen Lebensmittel ist und warum ausgerechnet “seine” Wurst- und Fleischwaren ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sind.
Dazu gehört natürlich eine konsequent-ehrgeizige Thekenpräsentation, egal an welchem Wochentag oder zu welcher Tageszeit und eine außergewöhnliche, niemals langweilig werdende Ladengestaltung, motiviertes und kompetentes Personal, denn mit reiner Basis- und Erwartungsqualität alleine hätten wir an unserem Standort keine Chance. Den Unterschied macht die Überraschungsqualität, die Wirkung der Mitarbeiter auf der Grundlage einer konsequent durch die Führenden vorgelebten Unternehmensphilosophie.
Mit Ernährungsberatung hat das nichts zu tun, Herr Ludwig, nur mit unanfechtbarer und überdurchschnittlicher Fachkompetenz – als Zeichen und Grundlage von “Marke”.
Es grüßt Sie ganz herzlich aus Bietigheim-Bissingen
Doris Siegle