Blog-Moderator Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt
Guten Tag Herr Hartmann, guten Tag Herr Klappert,
wir hatten jüngst die Fusion Ihrer Betriebe Fleischerei Hartmann und Fleischerei Klappert vom 01. Januar 2009 zur Hartmann und Klappert GmbH zum Anlass für ein Online-Blog-Interview genommen. Heute setze ich mit Ihnen dieses Interview vom 22. April fort:
Ohne Frage ist es Ihnen durch die Fusion gelungen, Ihre Marktstellung zu stärken. Sie haben
1) die Betriebsgröße verdoppelt
2) durch die Erhöhung der Betriebsgröße an Profil gewonnen
3) einen Ihrer bisherigen Konkurrenten zum Partner gemacht und dadurch
4) die Wettbewerbssituation entschärft
Sie haben des Weiteren
5) durch Vergrößerung Ihres Bekanntheitsgrades (Zeitungsberichte zur Fusion, Mund-zu-Mund-Propaganda Ihrer Kundschaft etc.) Ihre Reichweite vergrößert
6) mehr Werbepower für Ihre Imagewerbung erhalten
Nun sind jedoch Ihre beiden Siegener Niederlassungen der Hartmann und Klappert GmbH höchst unterschiedlich strukturiert.
Der Betrieb in der Marienborner Straße 121 liegt als stationäres Ladengeschäft mitten in einem Wohngebiet, während der Betrieb am Hauptmarkt 13 sich in einem Einkaufs-Zentrum befindet.
6) Frage Blog-Moderator
Könnten Sie bitte erläutern, welche Hauptunterschiede in der Kundenstruktur der beiden Niederlassungen bestehen?
Antwort Werner Hartmann und Albert Klappert
Im Ladengeschäft in der Marienborner Straße haben wir zu 99% Stammkunden. Diese Kundschaft wünscht vor allem Beratung in einem ruhigen Umfeld. Im Einkaufs-Zentrum am Hauptmarkt 13 haben wir demgegenüber neben unseren dortigen Stammkunden auch einen hohen Prozentsatz Laufkundschaft. Insbesondere für die letztere Kundengruppe gilt es, unsere Attraktivität durch übersichtliche Warenpräsentation und deutliche Preis-Auszeichnung zu steigern, um der vielfach etwas eiligen Kundschaft optisch die Kontaktaufnahme und letztlich die(Kauf-)Entscheidung zu erleichtern. Durch die in EK-Zentren übliche Barriere-Freiheit fühlen sich auch ältere und alte Leute wohl, die zudem aufgrund des konzentrierten Branchen-Mixes die unterschiedlichsten Geschäfte auf vergleichsweise kurzen Wegen ansteuern können. Unabhängig davon liegt das EK-Zentrum inmitten eines Gewerbe-Gebietes. Viele unserer Kunden sind in den dort ansässigen Betrieben beschäftigt und besuchen uns unmittelbar vor oder nach Beendigung ihres Arbeitstages; andere wiederum nutzen die Mittagspause, um bei uns vorbei zu schauen.
Blog-Moderator
Sie hatten jüngst erläutert, sich durch die Fusion verstärkt auf das eigentliche Kerngeschäft eines Fleischereibetriebes zu konzentrieren und auf zusätzliche Sortimente außerhalb des Fleisch- und Wurstbereichs zu verzichten.
7) Frage Blog-Moderator
Welches ist Ihrer Meinung nach der größte Nutzen, der so genannte HAUPT- oder KERN-Nutzen, den Sie durch die Fusion Ihrer doch offensichtlich unterschiedlich strukturierten Kundschaft in den beiden Niederlassungen stiften?
Antwort Werner Hartmann und Albert Klappert
Da unsere beiden Niederlassungen nur drei Kilometer voneinander entfernt liegen, können viele unserer Kundinnen und Kunden frei entscheiden, welcher Betriebsstruktur oder Betriebsform sie bei identischem Angebot den Vorzug geben. Kunden, die ein Beratungsgespräch bei ihrem Einkauf wünschen, bevorzugen das klassische Ladengeschäft in der Marienborner Straße. Diejenigen, die beim Einkaufen u. a. auch Zeit sparen möchten, fühlen sich in unserer Niederlassung im EK-Zentrum am Hauptmarkt 13 wohler. Zudem haben wir dort flexiblere, sprich längere bzw. durchgehende Öffnungszeiten.
Ein ganz wesentlicher Zusatznutzen, der sich als Folge der Fusion ergeben hat, liegt in der größeren FRISCHE unserer Erzeugnisse. Aufgrund nunmehr größerer Abverkaufsmengen einzelner handwerklich hergestellter Produkte können wir jetzt noch häufiger und somit in kürzeren Zeitabständen produzieren als bisher. Ein Problem dabei ist allerdings die diesbezüglich nachhinkende Bewusstseinslage der Kundschaft. Wir arbeiten täglich hart daran, der Kundschaft diesen unschätzbaren zusätzlichen FRISCHE-Vorteil auch bewusst zu machen.
Blog-Moderator
Viele Menschen mögen keine Änderungen; sie halten am liebsten ein Leben lang einem Geschäft die Treue. Eine Fusion wird deshalb sicherlich nicht von Allen gleichermaßen nur gut geheißen.
8.) Frage Blog-Moderator
Welche Kommentare haben Sie von Ihren Kunden zur Fusion gehört? Schließlich waren die Fleischerei Hartmann und die Fleischerei Klappert ja zuvor Konkurrenten.
Antwort Werner Hartmann und Albert Klappert
Wie das im Leben so ist, hat man seine Vorlieben für bestimmte Menschen und für andere eben nicht. So gab und gibt es unter unseren Kundinnen und Kunden natürlich auch solche, die entweder den Werner Hartmann oder den Albert Klappert mögen bzw. nicht mögen. Nach einigen anfänglich kritischen Bemerkungen zur Fusion hat sich die Haltung unserer Kunden inzwischen eingependelt. Als positiv wird generell die Tatsache gesehen, nunmehr für jede Niederlassung nicht nur den jeweils ursprünglichen Inhaber als Kontaktperson zu haben, sondern gegebenenfalls auch einen zweiten voll verantwortlichen Mann als Anlaufstelle zu haben. Auffällig ist für viele Kundinnen und Kunden auch das qualitativ noch weiter verbesserte Sortiment, da wir uns unter Beibehaltung der Angebotsbreite auf die jeweiligen Top-Produkte von ursprünglich zwei Betrieben konzentrieren konnten.
Blog-Moderator
Eine Fusion in der Fleischerbranche ist nun nicht unbedingt die Regel sondern die Ausnahme. Präzedenzfälle in der Branche, an denen Sie sich hätten orientieren können, gibt es recht selten. Umso mehr Zeit haben Sie sicherlich in die Abwägung der Vor- und Nachteile einer Fusion investiert. Bei noch so guter Planung bleiben jedoch Unwägbarkeiten.
9) Frage Blog-Moderator
Welches waren die bisher größten Überraschungen, die Sie als Folge der Fusion erlebt haben?
Antwort Werner Hartmann und Albert Klappert
Im Verkauf gab es anfänglich leichte Identifikationsprobleme des Personals, da man jetzt auch Produkte eines ehemaligen Konkurrenten zu offerieren hatte. Da wir zudem die Produktion in der Marienborner Straße konzentriert haben, mussten die bisher in der Produktion am „Hauptmarkt 13“ Beschäftigten im Verkauf eingesetzt werden und/oder fortan an dem anderen Standort ihren Dienst tun. Inzwischen hat sich alles bestens eingespielt.
Als ausgesprochen positiv bewerten wir Folgendes:
Wir konnten und können in jüngster Zeit auch viele neue Gesichter unter den Kunden erkennen. Darunter sind auch viele ausgesprochen junge Leute. Diese Aussage gilt für beide Standorte. Das Vertrauen der Kundschaft wächst; – denn viele unserer Stammkunden sind zu Intensiv-Verwendern oder besonders häufigen Besuchern geworden, die uns mindestens zweimal pro Woche aufsuchen.
Die als Folge der Fusion eingetretene Erhöhung unserer Werbepower für Imagewerbung kommt überwiegend unserem Ladengeschäft in der Marienborner Straße zugute. Im Einkaufszentrum profitieren wir nämlich indirekt von den Werbe-Aktivitäten der dortigen Filialisten, was uns jetzt durch den Vergleich unserer beiden Standorte besonders deutlich geworden ist. Immer dann, wenn die besonders Großen unter den Filialisten Werbung schalten, verzeichnet das EK-Zentrum einen verstärkten Besucherstrom. Die entsprechende Frequenz fördert auch bei uns die Nachfrage.
Blog-Moderator
Die unterschiedliche Kundenstruktur Ihrer beiden Standorte hat auch eine unterschiedliche Erwartungshaltung der jeweiligen Kundschaft zur Folge. Da Sie, wie Sie erläutert haben, in beiden Standorten das gleiche Sortiment vorhalten, ist sicher die Nachfrage nach einzelnen Artikeln Ihres Sortiments in beiden Betrieben durchaus unterschiedlich.
10) Frage Blog-Moderator
Könnten Sie bitte erläutern, wo die Schwerpunkte der jeweiligen Nachfrage liegen?
Antwort Werner Hartmann und Albert Klappert
Convenience-Artikel werden in beiden Standorten zunehmend nachgefragt. Eine signifikante Bevorzugung einzelner Warengruppen im Vergleich beider Standorte ist derzeit nicht feststellbar. Auffällig und erfreulich ist das zunehmende Interesse insbesondere der jüngeren Kundinnen und Kunden an unseren handwerklich hergestellten Wurstprodukten.
Blog-Moderator
Meine Herren, ich danke Ihnen im Namen der Branche für das aufschlussreiche Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin Gesundheit und beruflichen Erfolg.
Schlagworte: Angebotsbreite, Convenience, Fleischerblog, Frische, Fusion, Imagewerbung, Kern-Nutzen, Kundenstruktur, Marktstellung, Metzger-Blog, Profil