Blog-Moderator Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt:
Guten Tag Herr Philipp Kunkel, ich freue mich, das Online-Blog-Interview vom 26. März 09 heute mit dem zweiten Teil fortsetzen zu können.
„Metzgermeister Philipp Kunkel„, Bildquelle: Firma Kunkel, Wurst- und Fleischspezialitäten
Im November letzten Jahres haben Sie Ihren Großhandel bzw. Ihre Großproduktion in 63834 Sulzbach/Bayern mit zunächst sechs Arbeitskräften begonnen. Zwischenzeitlich haben Sie auf acht Kräfte aufgestockt. Sie haben kräftig investiert und stoßen Ihrer Aussage gemäß in Kürze bereits an Kapazitätsgrenzen. Kräftiges Wachstum ist erfahrungsgemäß jedoch auch mit Friktionen verbunden. – So haben zum Beispiel trotz Konjunkturflaute nicht nur Metzgereien Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden.
6.) Frage: Wo sehen Sie derzeit den größten Engpass für Ihre weitere betriebliche Entwicklung?
Antwort Philipp Kunkel
Die Belastung für mich persönlich ist derzeit etwas hoch. Aktuell bin ich sehr in die tägliche Arbeit im Unternehmen gebunden. Dadurch komme ich dann erst spät am Tage zur Arbeit am Unternehmen bzw. auch zu den Kunden, die gerade in der aktuellen Aufbauphase, und sicherlich auch danach, den persönlichen Kontakt mit dem „Chef“ wünschen.
Ich brauche also nachhaltig Entlastung in der Produktion, um mich noch intensiver um die Wünsche und Erwartungen unserer Kunden kümmern zu können. Uns ist deshalb ein Produktions-Leiter/-in willkommen, der unser Team ergänzt und auf den ich mich in der Produktion voll verlassen kann, um selber den weiteren Aufbau des Vertriebs verstärkt auf den Weg zu bringen.
Blog-Moderator
Ganz offensichtlich scheint die derzeitige Entwicklung Ihres Betriebes Ihr Unternehmens-Konzept als tragfähig zu bestätigen. Denkt man Ihr Konzept zu Ende, so sind Sie insbesondere überall dort willkommen, wo der Kunde (= die Metzgerei) bereit ist, die eigene Produktion zugunsten des Zukaufs zurückzufahren und/oder durch Zukauf Zusatzumsatz zu generieren. Wie eine hierdurch entstehende „Handelsmetzgerei“ aussehen könnte und im Einzelfall auch bereits aussieht, hat Ihre Kollegin Verena Hahn bereits am 26. November vergangenen Jahres hier auf Fleischer/Metzger-Blog mit ihrem Beitrag „Die Handelsmetzgerei – eine Chance?“ dargestellt und erläutert – und insgesamt sechs Kommentare erhalten.
7.) Frage: Wie entkräften Sie die denkbare Argumentation Ihrer Metzger-Kollegen, ein Zukauf würde das handwerkliche Profil einer Metzgerei verwässern und Kunden könnten deshalb abwandern?
Antwort Philipp Kunkel
Ich denke, gerade hier bieten sich für die Kollegen folgende Vorteile:
Sie erhalten top frische Produkte exakt in der benötigten Menge.
Das ermöglicht ihnen volle Konzentration auf den Kunden und den Verkauf.
Abwechslungsreiches Sortiment – der Endverbraucher kann überrascht werden.
Wir produzieren Handwerksqualität und keine „Industrieware“.
Der Konsument erhält herzhaft deftig gewürzte Wurst, die schmeckt.
Blog-Moderator
Ihre Aussagen decken sich offensichtlich in hohem Maße mit den Erfahrungen, die Ihre Kollegin Verena Hahn mit ihrer Handelsmetzgerei bereits gesammelt hat. Sie argumentiert in dem erwähnten Fleischer/Metzgerblog-Beitrag etwa wie folgt: Durch Verzicht auf Betriebstiefe stiege in einer Handelsmetzgerei zwar die MAQ (Materialaufwandsquote), die Kosten könnten aber besser kalkuliert werden, denn es gäbe keine Überproduktion mehr, da man nur soviel ordere, wie man auch verkaufen könnte. Durch tägliche Belieferung erziele man ein Maximum an Frische, der Chef sei immer da und könne sich der Kundschaft widmen.
8.) Frage: Könnte das ab 2010 in Europa geltende einheitliche Lebensmittelrecht (nicht ohnehin) einige Metzger veranlassen, die eigene Produktion zurückzufahren? Und: Entstünde für Sie als Produzent hierdurch Freiraum, den Sie mit Ihren Produkten füllen könnten?
Antwort Philipp Kunkel
Ich sehe uns als Dienstleister, der es den Kollegen ermöglicht, kostenintensive Investitionen einzusparen, die im Zuge der Vereinheitlichung sicherlich auf jeden zukommen. Da wir selbst kein Ladengeschäft betreiben, sind wir für keinen Kollegen ein Wettbewerber, vielmehr fördern wir als neutraler Produzent, der die Probleme und Herausforderungen des Einzelhandelsgeschäftes kennt, unsere Kollegen im Wettbewerb gegen den Handel bzw. die Discounter. Der sicherlich schon oft zitierte Spruch: „Bei uns läuft die Ware nicht vom Band, wie arbeiten noch mit Herz und Hand“ trifft auf uns sicherlich absolut zu.
Blog-Moderator
Nun produzieren Sie, Herr Kunkel ja nicht im konkurrenzfreien Raum. Ihr Wettbewerb ist mächtig und vielfach länger im Geschäft. Die derzeit schleppende Konjunktur und die geschilderten kommenden Auflagen setzen nicht nur Metzgereien unter Innovationsdruck. Der Wertewandel wird beschleunigt, der Endverbraucher wird anspruchsvoller und wählerischer. Da nun aber Metzgereien zu Ihren Kunden zählen, werden diese den Endverbraucherdruck an Sie weiterleiten müssen. Es entsteht die Frage, inwieweit Sie hierauf vorbereitet sind, bzw. inwieweit Sie die Entwicklung in Ihrer Strategie bereits berücksichtigt haben. Konkret:
9.) Frage: Welches sind derzeit Ihre besonderen Stärken, die dem Wünsche-Spektrum Ihrer Kunden (= Metzgereien) bestmöglich entsprechen?
Antwort Philipp Kunkel:
Als gelernter Fleischermeister, der aus einer traditionsreichen Metzgerfamilie stammt, kenne ich die Mentalität von uns Metzgern sicherlich von der Pike auf. Daher kann ich mich einfacher in die Sorgen, Wünsche und Erwartungen der Kollegen hineinversetzen bzw. auch den Bedarf an Innovationen leichter erfüllen. Ich unterstütze als „neutraler“ Lieferant meine Kollegen, stehe also in keinem Wettbewerb mit Ihnen.
Blog-Moderator
Erfahrungsgemäß bildet sich das Image eines Unternehmens recht frühzeitig heraus. Auch Ihr neuer Betrieb wird von der neuen Kundschaft bereits ganz konkret wahrgenommen. Eventuelle Image-Korrekturen sind in der Regel umso schwerer durchzusetzen, je länger sich das Unternehmen am Markt befindet. Es wäre deshalb aufschlussreich zu lesen, wie Sie persönlich Ihr Unternehmen gern wahrgenommen wissen möchten.
10.) Frage Haben Sie bereits ein signifikantes Alleinstellungsmerkmal? Welches ist Ihrer Meinung nach der größte Nutzen, der KERN-Nutzen, den Sie Ihrer Kundschaft stiften?
Antwort Philipp Kunkel:
Unsere größten Stärken sind wie folgt:
Inhabergeführter mittelständischer Betrieb
Flexible Frischeproduktion in Bezug auf Menge und Termintreue
Konzentrierter Artikelstamm und große Qualitätskonstanz
Durch direkten Kundenkontakt immer das Ohr am Markt
Eigene Kühllogistik
Allergenfreie Produktion nur aus Naturgewürzen
Blog-Moderator
Herr Kunkel, ich danke Ihnen für das Gespräch, das insbesondere in der derzeitigen Konjunkturphase vielen Metzgereien wertvolle Anregungen gibt, wie man gegebenenfalls durch eine kleine Strategie-Änderung Zusatz-Umsatz generieren könnte.
Ich grüße Sie herzlich
Schlagworte: Fleischerblog, Frische, Innovationsdruck, Metzger-Blog, Naturgewürz, Qualität, Qualitätskonstanz, Strategie, Strategie-Änderung, Unternehmens-Konzept, Wünsche-Spektrum, Zukauf