Kundenkarte in der Metzgerei

By verenahahn

Sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen

kürzlich rief mich eine Agentur an, um mir die Vorteile ihres Kundenkartensystems zu erläutern.  Diese Firma bietet ein erschwingliches Kundenbindungssystem und innovative Marketingideen rund um die Kundenkarten. Die dazugehörige Software informiert genauestens über das Einkaufsverhalten des treuen Kunden. Es lässt sich ermitteln wieviel, wann und was gekauft wurde. Zudem stehen die Daten der Kunden zur Verfügung. Sinnvoll für: Geburtstagskarten, Gezielte Werbung etc.

Im Netz konnte ich außerdem erfahren, dass wirklich schon sehr viele Firmen mit Kundenkartensystemen arbeiten, zu meinem Erstaunen auch der kleine Bäcker von nebenan.

Momentan arbeiten wir mit einem sehr einfachen System: Wir lassen uns alle paar Wochen kleine Kärtchen drucken, die wir ab einem Einkauf von 5€ abstempeln und beim 21. Einkauf erhält der Kunde einen Warengutschein. Dieses “einfache” System ist “einfach” erfolgreich.
Meine Frage nun an Sie werte Kollegen: Halten Sie diese Investition für sinnvoll? Will der Metzgermeister überhaupt alles über seine Kunden wissen? Lassen wir Metzger uns gleichsetzen mit den Datenjägern, um auch den letzten Cent zu erhaschen?

Mein Opa (Metzgermeister) pflegte immer zu sagen: “Das was alle machen, war noch nie etwas!” Ich denke, dass er auch in diesem Fall recht behalten wird, denn bei 150 Kundenkarten im Geldbeutel verliert wohl der letzte “Bonuskartensammler” irgendwann den Überblick.

Gibt es andere, bessere Ideen um den treuen Kunden zu belohnen?

Grüße Verena Hahn, Metzgermeisterin

Franziskaner Platz 7

84307 Eggenfelden

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11 Antworten zu “Kundenkarte in der Metzgerei”

  1. Burkart sagt:

    ich hatte vor einigen Jahren diese karten system auch eingeführt gehabt.
    als ich einen neuen Betrieb übernommen habe, habe ich mir überlegt, ob ich diese investition wieder machen soll.das händling ist sehr einfach.
    ich denke aber, dass der kunde heut zu tage wie Sie richtig sagen einfach übersättigt ist mit so vielen kundenkarten, dass er bald keinen platz mehr in der brieftasche hat.ich glaube sogar, dass Sie das fairere system haben; denn so muss er auch nicht immer die karte dabei haben, um zu einem bonus zu gelangen. zu überlegen aus meiner sicht ist, ob es nicht besser ist, die höhe des grundbetrags zu erhöhen. schliesslich will man den kunden ermutigen, so viel wie möglich in Ihrem geschäft zu kaufen und dafür wird er dann auch belohnt.
    darf man fragen wie hoch der betrag des gutscheines ist? wir haben beim kartensystem die beträge gesammelt, und bei 300 Fr. hat er einen gutschein von 10 Fr. erhalten,also rund 3%.das haben die kunden sehr geschätzt.die frage ob wir diese daten brauchen ,ich sage nein.sicher hat der kunde freude wenn er eine geburtsagskarte erhält,aber wenn er nachher stetig webung bekommt denke ich ist er eher genervt.der kunde ist durch die ganze werbung heute richtig blind und nicht nehr aufnahmefähig geworden.
    ein beispiel.wir geben monatlich eine hauszeitung unseren kunden ab; da stehen neuigkeiten, rezepte,gesundheitslehren etc. drauf.wenn wir ferien machen, steht das natürlich auch drauf, dazu haben wir es im ganzen laden angeschrieben. sie glauben nicht, wie viele leute uns ansprechen und sagen sie haben nicht gewusst, dass wir ferien haben und sie seien vor verschlossenen türen gestanden.
    daher: weniger ist manchmal mehr.ich bin auch im moment sehr am überlegen ein kundenbindungssystem ein zuführen aber mir kommt im moment einfach keine gute idee.

  2. Verenahahn sagt:

    Herzlichen Dank für Ihren aufschlussreichen Kommentar!

    Weniger ist oftmals mehr! Sie haben vollkommen recht! Meine Kunden müssen 21x für mind. 5€ einkaufen, dann erhalten Sie ein Präsent wie zum Beispiel: Frischwurstaufschnitt, Tüte mit Gebäck, oder versch. kleine Rohwürste.
    Schon längere Zeit versuche ich alle paar Wochen (je nach Saison) ALLEN Kunden ein Präsent mitzugeben oder ein wirkliches Knüllerangebot zu bieten. Kürzlich sprach mich einer unserer Bauern an, dass er auf seinem Feld viel zu viele Gladiolen stehen hat. Ich fuhr also raus, pflückte mit meinem Azubi 300 Gladiolen zu einem fairen Preis. Diese haben wir dann vor dem Laden postiert (sehr schönes Bild) und ein großes Schild geschrieben: Wir sagen DANKE, für jeden Kunden eine Blume!
    Oder an Ostern arbeite ich mit meinem Bäcker zusammen, es gibt dann für jeden Kunden einen kleinen Osterfladen.
    Oder: Wir teilen kleine Dankeskärtchen aus mit: Vielen Dank für Ihren Einkauf- als Dankeschön erhalten Sie mit diesem Kärtchen beim nächsten Einkauf 250g Aufschnitt zum Preis von …€ Je nach belieben!
    Oder: 100Kg Kotlettleitern (Ripperl) gekauft, diese habe ich dann an einem Samstag gebraten. 1 Stück kostete soviel es dem Kunden wert war. Großes Glas aufgestellt, dort warfen die Kunden direkt die 2€, 1€ oder was auch immer hinein. Das war vielleicht ein lustiger Tag! Ein junger Herr fragte mich: Und was ist, wenn mir das Ripperl nichts wert ist? Ich: Damit kann ich auch leben! Schwups, warf er 2€ in das Glas!

    Grüße Verena Hahn, Metzgermeisterin

  3. Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt sagt:

    @ Verena Hahn
    Grüß Gott nach Bayern Frau Hahn,
    ich lese mit Begeisterung, wie Sie branchenübergreifend mit einem Bäcker und gar mit einem Blumenhändler (Bauern) zusammen arbeiten. Diese Grundidee könnten Sie ausbauen, indem Sie sich kokal nach Einzelhändlern umschauen, die wie Sie dieselbe Kundengruppe (”anspruchsvoller Verbraucher”) im Focus haben.
    Hierzu eine erste Anregung:
    Auf dem Gesundheitssektor (Wellness-Produkte) wären gemeinsame Aktionen mit einer ortsansässigen oder ortsnahen Apotheke (da gleiche Zielgruppe) denkbar. Möglicherweise könnte in einem ersten Schritt ein ApothekerIn in Ihrer Metzgerei eine (Kunden-)Fragestunde zum Thema “aktuelle Ernährungs-Beratung” anbieten.
    Herzliche Grüße
    Fleischer/Metzgerblog-Moderator
    Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt

  4. Dirk Ludwig sagt:

    Wir arbeiten mit insgesamt 13 weiteren Unternehmen zusammen. Wir haben uns unter dem Namen PerfectlyYou(www.perfectlyyou.de) zusammengeschlossen. Mehrmals im jahr haben wir gemeinsame Aktionen zu der jeder Partner eine kleine Anzahl seiner besten Kunden einläd. In diesem jahr haben wir bereits mit unseren Kunden gekocht, einen Kinoabend veranstaltet, Oktoberfest gefeiert und werden noch eine Modenschau und ein Christbaumschlagen in diesem jahr veranstalten.
    Das interessante bei PerfectlyYOU ist, dass es in zwie Richtungen wirksam ist. Zum Einen hat man für besondere Kunden eine wertvolle Zugabe und zum Anderen hat man die Möglichkeit sich bei den “guten” Kunden der anderen Partnerbetrieben bekannt zu machen. Eine Symbiose, auf die ich nicht mehr verzcihten möchte.

    Herzliche Grüße
    Dirk Ludwig
    Metzgermeister
    http://www.Der-Ludwig.de

  5. Hans WALTER sagt:

    Unsere Fleischerei ist in der Stadt Salzburg / Österreich. Unsere Kundenfrequenz je Woche liegt ca. bei 1100 Kunden.
    Auch wir haben uns vor einigen Jahren Gedanken gemacht ob wir ein Kundenkartensystem (mit Chipkarten) einführen sollten. 2005 wurde der Schritt in Richtung elektronische Kundenkarte getan.
    Bis mitte 2008 wurden ca. 1700 Kundenkarten ausgegeben (incl. Zweitkarten durch Verlust und Kartenbruch)
    Dazu wurde ein Terminal, die Chipkarten und ein Kartendrucker angeschafft.
    (Kartendrucker dient zum vorderseitigen Bedrucken mit Firmenlogo, zum
    Personalisieren der Rückseite (Kundennamen) und zum Preisschilderdruck)
    Für uns waren folgenden Überlegungen ausschlaggebend:
    1. Meine Verkäuferinnen kennen unsere Kunden nichtmehr alle beim
    Namen – durch das Personalisieren kann die Kundschaft wieder beim
    Namen angesprochen werden.
    2. Wer sind unsere Top Kunden?
    3. Welche Kunden besuchen uns nichtmehr – durch die hinterlegte
    Adresse können wir darauf reagieren.
    4. Wenn sich Fehler beim Bedienen einschleichen, können wir schneller
    reagieren durch die hinterlegte Telefonnummer.
    5. Unsere Kundenkarte ist in den meisten Fällen in der Geldbörse – und dort
    wollen wir mit unserem Logo vertreten sein.
    6. Durch die Adresse und das Geburtsdatum können wir zB. Weihnachtsgrüsse und Geburtstagsglückwünsche verschicken.
    Wir haben unser System so eingerichtet, daß je 2 Euro Einkauf 1 Punkt
    auf die Chipkarte gebucht wird. Bei 200 Punkten (= 400 Euro) gibt das
    Terminal ein Signal für die Prämie. Dies ist ein 10 Euro Gutschein der beim
    nächsten Einkauf eingelöst werden kann.
    Die Daten auf dem Chipterminal werden ausgelesen und in einer
    selbst geschriebenen Access Datenbank gespeichert und ausgewertet.
    Abschliessend möchte ich noch bemerken, daß die Arbeit die damit verbunden ist und auch die Investitionssumme nicht zu unterschätzen ist -
    aber das Echo unserer Kunden bestätigt uns daß das ein zukunftsweisender Schritt in die richtige Richtung ist.
    Grüße aus Salzburg
    Hans WALTER
    Fleischerfachgeschäft WALTER

  6. Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt sagt:

    Die kommentierende Beteiligung von Fleischer/Metzgermeistern aus nunmehr bereits drei Ländern Europas zum Thema “Kundenkarte in der Metzgerei” bestätigt das Grundkonzept von Fleischer/Metzger-Blog, auch als internationales Kommunikations-Instrument zu dienen. Insbesondere die obigen Kommentare verdeutlichen in ihrer Vielfalt: Je breiter die internationale Beteiligung an Fleischer/Metzger-Blog wird, umso mehr profitiert die Branche von regional-unterschiedlichen Blickwinkeln, wertvollen Anregungen und sinnvollen Impulsen.
    Herzliche Grüße
    Fleischer/Metzgerblog-Moderator
    Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt

  7. Maik sagt:

    Vielleicht bin ich übervorsichtig, aber ich lehne Kundenkarten bei denen meine Daten und Einkaufsgewohnheiten gespeichert werden, rundum ab.

    Besser finde ich den Weg, den die Frau Hahn beschreitet: Einfache Karten, bei denen pro Einkauf ein Stempel hinzukommt.

    Alles andere ist ein weiterer Schritt zum gläsernen Kunden…

  8. Verenahahn sagt:

    Vielen Dank Maik für Ihren Kommentar. Das war auch mein Grundgedanke!
    Wird der Kunde zu gläsern?

    Grüße Verena Hahn

  9. Elisabeth Mittermüller sagt:

    Wir hatten vor etwa 14 Jahren mit dem Talerrabatt begonnen. Eine Werbeidee der Fa. Küttler. Diese hat bei uns wie eine Bombe eingeschlagen ( ist zu vergleichen mit dem Stempelkärtchensystem).
    Man musste aber immer wieder die teuren Taler nachdrucken lassen und wir hatten enorme Kosten.
    So haben wir nun seit etwa 10 Jahren das Stempelkärtchen System.
    Wir haben einen Kundenumlauf von ca. 1500 Kunden pro Woche. (Fast ausschließlich Stammkundschaft).
    Bei dieser Kundenanzahl sind lediglich 6-8 Kunden die definitiv keine Karte wollen. Wir sind sehr froh über dieses überaus kostengünstige System und würden nie wieder etwas machen, bei dem so hohe Kosten auf uns zu kommen.
    Die Kunden sind sehr dankbar drüber. Wir geben auch pro 5€ einen Stempel und bei 72 Stempel gibt es einen Warengutschein.
    Ich bin sehr streng damit, dass wir dem Kunden den Gutschein immer aushändigen, denn es gibt viele, die sie sammeln und sich so ihre Weihnachtsgans…”finanzieren”.
    Manche schenken es der “Putzfrau” und wieder andere der Nachbarin.
    So kommen wir nochmal zu anderen Kunden.
    Die meisten lösen ihn natürlich selbst ein.

    Was ich wichtig finde, dass der Einkauf nicht “verloren” ist, wenn man mal seine Karte nicht dabei hat oder auch ein anderes Familienmitglied einkauft. Wir stempeln dann den Kassenbon ab und beim nächsten mal kann das in die Karte übertragen werden. Wird sehr geschätzt von den Kunden, weil es so fair ist.

    Wir werden sehr oft bei Vereinen nach Tombolapreisen gefragt. Da geben wir oft Stempelkärtchen her, die schon zu einem drittel gestempelt sind.

    Oder als Gewinn bei der Tombola auch Aluleberkäsformen, in denen sich ein Gutschein zum Auffüllen lassen mit Brät befindet (und ebenso ein Betriebsflyer von uns). Man hat nicht nur ein Blatt Papier in der Hand, sondern eben auch gleich die Aluform.

    Das Gleiche haben wir auch schon als Werbeaktion gemacht, nicht nur den Handzettel (zum Beispiel ander S-Bahn) verteilt, sonder auch diese Aluform mit der Info zum Auffüllen lassen. Ist super gut angekommen.

    Übrigens toll, dass es dieses Blog gibt.

  10. Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt sagt:

    @Elisabeth Mittermüller,

    auch Ihnen vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Kommentar. Könnten Sie unseren Lesern vielleicht noch mitteilen, wo in Deutschland Ihre Metzgerei angesiedelt ist?

  11. Elisabeth Mittermüller sagt:

    Ja klar, wir sind in Krailling. Das liegt genau zwischen Starnberg und München (Südwesten von München).

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