Die Belieferung der regionalen Supermarkt-Konkurrenz aus Fleischer/Metzgermeister-Sicht: Fluch oder Segen?

By Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
handwerklich herstellte Fleischerei-Produkte haben ihren Stellenwert auf der Wünsche-Skala des qualifizierten, anspruchsvollen Verbrauchers. Als handwerklicher Fleischer/Metzgermeister könnten Sie darüber hinaus durch regionalen Fleisch-Einkauf sowie lokale Namensgebung Ihrer Produkte den Lokal-Patrioten unter Ihren Kunden einen oder mehrere Zusatz-Nutzen bieten. Hierdurch werden Ihre Erzeugnisse nicht nur unverwechselbar, sondern sie erfahren auch einen Mehrwert in der Wahrnehmung der Endverbraucher.

Wichtig:
Je enger Sie dabei den Regional- bzw. Lokal-Bezug eingrenzen, umso weniger kann ein Supermarkt hier kontern.

Warum:
Ein Supermarkt müsste nämlich bei seinen Eigenmarken aus Kosten-Degressionsgründen eine Region stets weiter fassen als Sie.

Folge:
Ihnen verbleibt somit stets ausreichend Spielraum, sich durch eng gefasste (lokale) Namensgebung Ihrer Erzeugnisse gegen die Eigenmarken der Supermärkte abzugrenzen bzw. zu profilieren.

Jedoch:

Wie beurteilen Sie die Bestrebungen einzelner Supermärkte in Ihrem Einzugsbereich, ihrerseits bei Ihrer regionalen „Konkurrenz auf Augenhöhe“ handwerklich hergestellte, regional-typische Produkte einzukaufen und vorzuhalten?

Denn das heißt: Auch Ihr typischer Fleischerei-Kunde, der „qualifizierte, anspruchsvolle Verbraucher mit Regional-Bewusstsein“, der „Liebhaber handwerklicher Produkte mit Provenienz-Nachweis“ wird hier fündig.

Hinzu kommt: Ihre regionale, handwerkliche „Konkurrenz auf Augenhöhe“ hat mit jedem Supermarkt, den sie beliefert, eine Verkaufsstelle zusätzlich.

Wie also sollten Sie sich verhalten?

Einerseits:
Wenn Sie die Supermarkt-Regale Ihren Fleischer/Metzger-Kollegen überlassen, könnte die Folge eine stärkere Wahrnehmung der betreffenden Konkurrenz-Produkte sein.

Andererseits:
Wenn auch Sie die Supermarkt-Regale mit Ihren handwerklichen, regional-typischen Produkten füllen, stärken auch Sie die Marktposition der Supermärkte.

Ich bin gespannt auf Ihren Kommentar und sende Ihnen herzliche Grüße

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

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Eine Antwort zu „Die Belieferung der regionalen Supermarkt-Konkurrenz aus Fleischer/Metzgermeister-Sicht: Fluch oder Segen?“

  1. Dirk Ludwig sagt:

    Ich bin der Meinung, dass das Interesse des LEH an regionalen Produkten eine Chance für den kleinen Metzger ist. Wenn er sich als Marke richtig positioniert, ist sein Sortiment dort sicher gut aufgehoben. Kanibalisierungseffekte sehe ich keine. Aus folgenden Gründen: Erstens wird der Supermarkt ohnehin nur ein begrenztes Sortiment abnehmen und zweitens ist es besser, er beliefert den Supermarkt, als wenn es die anonyme Konkurrenz tut.
    Außerdem haben wir im Fleischerfachgeschäft als gute Unternehmer zahlreiche Alleinstellungsmerkmale, die es dem guten Kunden unerlässlich machen, nach dem Einkauf im Supermarkt, auch noch beim Metzger vorbeizuschauen. Für die Kunden, die aus Gründen der Erreichbarkeit nur im Supermarkt einkaufen, besteht als zusätzliche Vertriebsquelle die Möglichkeit ebenfalls Waren vom handwerklichen Metzger zu beziehen.
    Außerdem sollte man sich vor Augen führen, dass es ja einen Grund hat, warum verstärkt wieder Metzger als Regionallieferanten vom LEH angesprochen werden. Und diese Gründe sprechen eindeutig für uns Handwerker.

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