Bei einem Sylt-Aufenthalt im Jahre 2006 war mir in Westerland das Konditorei/Café Wien aufgefallen, das seinerzeit bereits eins seiner Premium-Produkte, nämlich die Schokoladen-Tafeln in auffallend vielen (Geschmacks-)Varianten offerierte. Auch heute überzeugt man wieder mit einer ungewöhnlich hohen Varietäten-Anzahl. Dabei stechen insbesondere auch trendy Schokoladen-Kreationen mit breiter Banderole ins Auge wie zum Beispiel:
Cognac Trüffel
Orangen-Basilikum
oder
Kirschwassermarzipan.
Die Methode einer solchen (Grund-)Produkt-Dehnung hat sich somit ganz offensichtlich bewährt, da sie seit Jahren -aktualisierend- gepflegt wird. Hierbei überlässt man es der Kundschaft, sich die geeigneten Kompositionen selber auszusuchen.
Diese intensive Form der Varietäten-Pflege (wieder einmal) festzustellen, war für mich deshalb auch nicht sonderlich überraschend.
Von Bedeutung war für mich vielmehr ein anderer Aspekt, wie man den Kunden dort inzwischen wahr nimmt:
Jetzt nämlich ist in den Schaufenster- und Vitrinen-Auslagen eine zusätzliche Präsentation von breit banderolierten Schokoladen-Tafeln unübersehbar, die sich mit deutlich lesbarer Banderolen-Beschriftung an konkret ins Auge gefasste Kunden- oder Zielgruppen wendet: So steht auf den entsprechenden Schokoladen-Tafeln-Banderolen zum Beispiel:
Für den besten Opa der Welt
Zicken-Besänftiger
oder
Es gibt nichts Besseres als einen Freund
Das heißt: Man hat hier den Blickwinkel geändert von der reinen Produkt-Orientierung (= Varianten-Bildung) in Richtung der „Konzentration auf bestimmte (Teil)-Zielgruppen“. So könnte zum Beispiel ein junger Käufer, der seinem Opa eine Freude machen möchte, ziemlich sicher sein, bei seinem Großvater mit der entsprechenden Tafel Schokolade ins Schwarze zu treffen, ohne groß überlegen zu müssen.
Und noch eine weitere Angebotsgruppe unter den Schokoladen-Tafeln springt dieses Jahr ins Auge: Man misst im Konditorei/Café Wien auch dem Event-Marketing große Bedeutung bei. Man hat nämlich (Schokoladen-)Produkte für ganz bestimmte Anlässe oder Ereignisse kreiert. So steht auf den entsprechenden Schokoladen-Banderolen beispielsweise zu lesen:
Geburtstags-Einladung
Gute Besserung
oder
herzlichen Glückwunsch zur …
Man hat auch hier die Ebene der reinen Produkt-Orientierung verlassen. Man gibt dem Kunden vielmehr die Möglichkeit, ein Ereignis zum Anlass zu nehmen, eine Einladung oder einen (Glück-)Wunsch durch ein (Schokoladen-)Produkt zu verstärken. Das ist m.E. eine besonders geschickte Form von Event-Marketing, da unterschiedliche Zielgruppen ausgesprochen emotional angesprochen werden. Das Konditorei/Café Wien braucht die (Schokoladen)-Produkte als Wunsch-Erfüller einfach nur noch „nachzureichen“.
Fazit:
Vielleicht geben Ihnen als Fleischer/Metzgermeister diese Beispiele branchen-übergreifend Anregungen. Überlegen Sie einfach mal, für welche Anlässe, wiederkehrende Ereignisse und welche (Teil)-Zielgruppen welche Ihrer handwerklichen Erzeugnisse geeignet sein könnten. Und prüfen Sie sodann, in welcher Form/Größe und/oder Würzung Sie beispielsweise Ihre Salami oder Ihren Kochschinken jeweils offerieren sollten.
Ich grüße Sie herzlich
Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)
Schlagworte: Metzgerblog, ZIelgruppe, trendy, Fleischerblog, Event-Marketing, Produkt-Dehnung, Kreation, Geschmacks-Variante, Salami, Kochschinken, Schokolade
September 18, 2008 um 10:28 |
Das Cafe Wien hat den Kern des Verkaufs getroffen. Wenn 80-Prozent aller Kaufentscheidungen unbewusst getroffen werden, dann dürfen wir mit unseren Verkaufsargumenten, nicht auf die restlichen 20 Prozent zielen. Früher hierß es: „Die Ware ist gut“ heute dagegen muss es heißen: „Das Gefühl ist super!“.