Erfreulicherweise wächst die Zahl derjenigen Fleischer/Metzgermeister, die das Fleischer/Metzgerblog unaufgefordert mit Informationen zur Planung und Entwicklung ihres Betriebes versorgen.
So erreicht mich jetzt eine Email der Hofmetzgerei Höfermühle, Alfons Gierl aus dem niederbayerischen 94244 Geiersthal, die durch Aktualität (= Saisonbezug), kundenorientierte Strategie und überzeugende Kompetenz eine auszugsweise Veröffentlichung auf Fleischer/Metzgerblog im Interesse der Branche und ihrer Kunden nahe legt.
Die Hofmetzgerei Gierl, eine regional-typische Metzgerei mit eigener Schlachtung, liegt in den Höhenlagen des Bayerischen Waldes zwar besonders idyllisch aber relativ abgelegen. Schon aus diesem Grunde ist man dort trotz Internet-Präsenz und eigenem Online-Shop gefordert, wesentlich kreativer zu sein als der nächste Supermarkt oder Discounter. Man stellt sich deshalb zu Beginn der Herbstsaison die Frage, wie man insbesondere der wichtigen Kundengruppe „anspruchsvoller Genießer“ besondere saison-typische Kulinaria anbieten könnte.
Nach einem gemeinsamen Brainstorming innerhalb des Familienkreises stellt sich heraus:
Es sind gleich drei Familienmitglieder, die einen Jagdschein besitzen und zur Jagd gehen, nämlich die Ehefrau des Inhabers, der Onkel und ein Cousin. Man erkennt: Hier hat man eine große Möglichkeit, sich zu profilieren.Wie Alfons Gierl dazu erläutert, liegt es für die Hofmetzgerei nahe, neben hausgemachten Eigenprodukten im Herbst und Winter somit auch Wild im Hofladen und im Internet anzubieten. Denn man kann ausschließlich Wild verkaufen, das man auch selbst erlegt. Man ist sich zudem auch gewiss, woher das Wild stammt (nämlich aus heimischer Jagd in den Donauauen) und kann es aufgrund „Direktanlieferung“ frisch verarbeiten. Wichtig ist es zudem, so Alfons Gierl des weiteren, das Wild „gut“ zu schießen, um die Fleischteile bestens verwenden zu können. Am besten seien hier Schüsse auf den „Träger“, damit das Wildbret nicht verletzt wird. Daher seien gute Jäger gefragt. Die geplante Palette reiche von Wildschwein über Reh bis zu Feldhase und Wildente.
Selbstverständlich würden auch Auflagen streng befolgt wie z.B.eine amtliche Fleischbeschau, anlässlich welcher von einem Tierarzt die Genusstauglichkeit untersucht würde, bevor das Fleisch in den Verkauf gelangt. Fleisch von Wildschweinen würde zusätzlich auf Trichinen hin untersucht.
Beim Kauf im Onlineshop würde überwiegend gefrorenes Fleisch versandt, es sei denn, man habe bei Eingang einer Bestellung gerade frisches Wild vorrätig, das dann umgehend auch ungefroren versandt würde.
Den Versand habe man bereits getestet und sei sicher, Qualität und Frische zu gewährleisten.Als Lieferbeginn hat man den Monat Oktober ins Auge gefasst. Zudem hat man sich bereit erklärt, hier auf Fleischer/Metzgerblog offen über seine Erfahrungen zu berichten, sobald die Verkauf eine Weile angelaufen ist.
Mein Kommentar:
Die Hofmetzgerei Alfons Gierl beweist ein hohes Maß an zielgerichteter Kunden-Orientierung. Denn:
Die Hofmetzgerei Alfons Gierl kann hier gleich mehrere gute (Kauf-)Argumente ins Feld führen, die von verschiedenen Kundengruppen besonders intensiv wahr genommen werden:
a) Als stationärer Betrieb mit Hofladen und eigener Schlachtung genießt man Vertrauen.
Hierdurch verspricht man der auf Sicherheit bedachten Kundengruppe Herkunfts-Kontrolle, Jagd- und Verarbeitungs-Erfahrung. Auf dem Sektor „Wildbret“ kann man sich schnell überzeugend profilieren, sofern man sich neben seiner Kompetenz als handwerklicher Metzgermeister-Betrieb auch als „Jägerfamilie“ outet.
b) Der bedeutsamen Kundengruppe anspruchsvoller Genießer bietet man eine saison-typische Delikatesse und zudem das wohl fettärmste Fleisch überhaupt.
c) Man erfüllt dem erlebnis-orientierten Kunden-Typus den Wunsch nach Abwechslung, z. B. etwas Gediegenes einzukaufen, das nur in begrenzter Stückzahl verfügbar ist.
Das alles sind gute Voraussetzungen für einen Verkaufserfolg. Es kommt jetzt für den Metzgermeister darauf an, die Vorteilhaftigkeit eines Wild-Einkaufs in seiner Hofmetzgerei den jeweiligen Kundengruppen durch geeignete Werbemaßnahmen auch bewusst zu machen. Hierbei ist es empfehlenswert, insbesondere den Faktor zu stärken, der ohnehin schon einen entscheidenden Kompetenz-Vorsprung vermuten lässt: Man sollte vornehmlich die „qualifizierte Jagd-Erfahrung“ als ein „einzigartiges Verkaufs-Versprechen“, als ein „Alleinstellungsmerkmal“ verdeutlichen. Denn: Welcher Supermarkt, welcher Discounter könnte hier kontern?
Entsprechend hätten Sie persönlich, der als Fleischer/Metzgermeister diese Zeilen liest und die Jagdsaison in seine Planung einbezieht zu überlegen, auf welchem Sektor diesbezüglich Ihre besondere Kompetenz liegt, um sich in der Nutzenstiftung für Ihre Kunden vom Wettbewerb abzugrenzen.
Wir dürfen gespannt sein, welche Erfahrungen die Hofmetzgerei Höfermühle Alfons Gierl uns hier in den nächsten Wochen übermitteln wird.
Ich grüße Sie herzlich
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