Inflation, gefühlte Inflation und Konsumverzicht

By Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt

Sehr geehrter Herr Metzger/Fleischermeister,

sicherlich haben auch Sie in letzter Zeit schon häufiger von Ihren Kunden einen Satz gehört wie „Alles wird teurer,“ oder „Ich habe immer weniger Geld zur freien Verfügung.“. Die Preissteigerungen werden dabei zur Zeit insbesondere in den Sektoren Energie (Gas und Benzin) und Nahrungsmittel wahr genommen.

Aktuelle Informationen zur Inflation in Deutschland gibt es zur Zeit reichlich. So können Sie zum Beispiel im August 2008 bei indexmundi nachstehende, verkürzt dargestellte Aufstellung lesen:

Jahr Inflationsrate – Verbraucher – Preisindex

2007
1,7%
2008
2,0%

Die entscheidende Frage ist nur: Wie wird eine solche Aussage vom Endverbraucher interpretiert?

Die beiden dortigen Vergleichswerte der Inflationsrate von 1,7% bzw. 2,0% könnte man nämlich auf unterschiedliche Weise analysieren:

a) Die Inflationsrate steigt in Deutschland im Jahre 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte.

b) Nach 1,7% im Vorjahr beträgt die Inflationsrate in 2008 bereits 2,0%

c) Die Inflationsrate im Jahre 2008 beträgt 2%.

d) Die Inflationsrate in Deutschland hat sich im Vergleich zu 2007 um 17,65% erhöht.

Alle vier Aussagen sind richtig; – sie beschreiben zudem dasselbe Phänomen sachlich. Die jeweilige Wahrnehmung beim Endverbraucher erzeugt jedoch höchst unterschiedliche Emotionen. Während die Variante a) vom Endverbraucher wahrscheinlich kaum registriert würde, wird In den Medien überwiegend die Variante c) bevorzugt. So schrieb bereits die Welt-Online im April 2008 die Überschrift: „Geldentwertung: Inflation in Deutschland über drei Prozent.“ – Ein Endverbraucher, der solche absoluten Zahlen liest, übersieht dabei, schon seit Jahren mit einer Inflation von durchschnittlich ein bis zwei Prozent zu leben.

Angehängt an den jüngsten Benzin-Preis-Schock der Ferienzeit lässt sich das Thema „Geldentwertung“ natürlich von den Medien Auflage steigernd durch entsprechend ausgewählte -wohlgemerkt: sachlich richtige- Darstellungen dramatisieren. Mit verheerenden Folgen: Die Inflation wird höher „gefühlt“ als sie tatsächlich ist. Der Endverbraucher wird ängstlich und leistet Konsumverzicht, er „spart“.

Das Bedauerliche aus Sicht Ihrer Fleischerei/Metzgerei ist dabei: Der Endverbraucher interessiert sich nicht oder nur bedingt für die Ursachen der Inflation.

Was also könnten Sie als Fleischer/Metzgermeister in Zukunft gegen (verfügbares Einkommen mindernde) hohe Benzinpreise unternehmen? Wie könnten Sie die dramatisierende Berichterstattung der Medien auskontern? Wie könnten Sie die „gefühlte Inflation“ unterlaufen? Lesen Sie bitte nachstehend hierzu einige Empfehlungen:

Da Sie im wettbewerbsintensiven Umfeld tätig sind, werden auch Sie sicherlich einige Bestläufer im Angebot haben, die seit Jahren bei steigender Qualität Preiskonstanz aufweisen. Vielleicht sollten Sie einige wenige dieser Bestläufer besonders hervorheben, indem sie deutlich lesbar auf dem jeweiligen Preisschild auf diesen besonderen Umstand hinweisen und schreiben:

(Produkt-)Kilopreis im Jahre 2007: € 5,00

(Produkt-)Kilopreis im Jahre 2008: € 5,00 unverändert!

oder

Dieser Artikel ist seit drei Jahren preis-konstant oder preislich unverändert.

oder

Wir geben die Preissteigerungen auf dem Beschaffungs-Sektor auch dieses Jahr nicht an Sie weiter.

Sicherlich werden Sie diese Anregungen aufgreifen und eine noch bessere Formulierung finden.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

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Eine Antwort zu “Inflation, gefühlte Inflation und Konsumverzicht”

  1. Cornelia Kuhlmann sagt:

    Ein Fleischermeister täte besser daran, auf seine schmackhaften Wurstqualitäten hinzuweisen, statt sich auf Preisdiskussionen einzulassen. Die von Ihnen erwähnte “gefühlte” Inflation bleibt so lange ein Kopf-Problem des Verbrauchers, wie die besondere Wertigkeit eines Einkaufs nicht begründet werden kann. Beste Grüße

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