Unsere Kunden müssen sparen. Die Treibstoffkosten für das Auto, die Gaspreise, die Stromkosten usw. alles wird täglich teurer und steigt unaufhaltsam. Logisch, dass der Verbraucher gereizt reagiert und entsprechend versucht mit seinem Einkommen auszukommen. Das zeigt sich im gesamten Einzelhandel durch Kaufzurückhaltung. Die Stimmung bei den Kunden ist nicht auf Konsum gerichtet, sondern auf Sparen und Verzichten.
Als Inhaber eines kleinen Fleischer-Fachgeschäftes merke ich die Stimmung sehr genau. Kunden bleiben weg, kaufen nicht mehr regelmäßig ein oder kaufen sehr preisbewusst ein. Vier Cent Preiserhöhung an der Zapfsäule merke ich ganz deutlich an der Ladentheke. Wenn 15 Kunden am Tag fehlen sind das schnell mal 200.- € Umsatz je Tag. (über 50.000.- € im Jahr) Ich kann die Kundschaft sogar verstehen: einmal Volltanken kostet schnell 100.- € und wer auf ein Fahrzeug angewiesen ist, wird sich überlegen, ob er Fleisch und Wurst weiterhin im Fachgeschäft holt, seine Kleidung in der Boutique kauft oder den teuersten Friseur besucht.
Die Situation spielt den Großen und den Discountern genau in die Arme. Die Märkte auf der grünen Wiese werden immer größer, die Innenstädte bluten aus und der Einzelhandel bricht weg. Die Situation ist nicht unbedingt motivierend, denn die Fleischereien müssen auch die Preise erhöhen, um die gestiegenen Kosten zu begegnen.
Wie reagieren Ihre Kunden auf das immer dünner werdende Portemonnaie? Welche Maßnahmen ergriffen Sie, damit die Kundenzahl nicht sinkt? Wie reagieren ihre Mitbewerber in der Nachbarschaft? (Bäcker, Bekleidung, Gaststätten, Dienstleistungsbetriebe)
Ich freue mich auf eine lebhafte Diskussion hier auf dem Fleischer Blog.
Ihr Ludger Freese
Foto: Ludger Freese, Felta Tankstelle in Visbek

Juni 25, 2008 um 9:36 |
Hallo Herr Freese,
wie reagiert denn Ihre Kundschaft auf
Aktionen? – Sie persönlich sind hier doch immer stets besonders engagiert.
Was wäre mit einem „Ladies Day“? – mit gruppen-spezifischen (Sonder-)Angeboten für die Damenwelt?
Ferner:
Es sollen immer noch Milliarden alter D-Mark in den Haushalten schlummern. Wäre das ein Ansatzpunkt?
Herzliche Grüße
Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)
Juni 26, 2008 um 4:39 |
Hallo Herr Freese,
diese Probleme spüren wir auch besonders in unserem Standort in Schweich, dort sind direkt ein riesiges Edeka C-Center sofort am Stadteingang, der von Montag bis Samstag bis 22 Uhr geöffnet hat; dann folgen 800 Meter weiter Aldi und Lidl. Der alte Stadtkern und besonders unsere Seitenlage wird immer weniger von Kunden aufgesucht.
Wir haben zwar in diesem Jahr wieder etwas Boden gut machen können, durch die Entenring-Aktion (hierzu wurde auf Fleischer/Metzger-Blog berichtet) und unser Wursttaxi, mit dem wir Essen ausliefern. Aber wir sind diese Woche schwer am grübeln, was wir in den Ferien für Aktionen durchführen sollen, da meistens in den letzten drei Wochen in den Ferien bei uns in Schweich ein Loch im Umsatz ist.
Hier einige wenige Vorschläge:
- 1 Woche lang 5 Gläser nach Wahl für einen Sonderpreis
- 1 Woche lang 3 Dosen Fertiggerichte nach Wahl für einen Sonderpreis
Mehr ist meiner Frau, Frau Anker ( Bürodame) und mir auf die Schnelle nicht eingefallen. Es ist schwer, auf Kommando gute Ideen zu haben. Wir grübeln heute noch etwas weiter und hoffen, uns fällt noch eine gute Aktion ein, die das Sommerloch abfedert.
Viele Grüsse von der Mosel
Marco Haag
Juni 26, 2008 um 8:00 |
Hallo Herr Schmidt,
die Kundschaft reagiert auch auf besondere Aktionen zurückhaltend. Vor allem Kunden aus der Region erzählen mir ganz deutlich, dass sie gerne öfter bei uns einkaufen würden. Die Benzinpreise bremsen aber eine weite Anfahrt.
Eine D-Mark-Aktion haben wir vor einiger Zeit gemeinsam mit dem örtlichen HGV (Handels- und Gewerbeverein) durchgeführt. Das läuft auch noch ganz gut.
Einen speziellen Ladies-Day ist nicht schlecht. Genauso könnte ich mir einen „Männer-Samstag“ vorstellen… Die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich.
Juni 26, 2008 um 9:25 |
@ Marco Haag
ich würde in der Ferienzeit das Wursttaxi favorisieren: Weisen Sie Ihre Kundschaft über die Ihnen bekannten Werbewege vor allem auf die große Bequemlichkeit hin, die das Wursttaxi -insbesondere durch die Auslieferung heißer Speisen bis zur Haustür- dem Kunden nun einmal bietet. Schließlich spannt insbesondere während der Ferien doch jedermann gern einmal so richtig aus.
@ Ludger Freese
was die von Ihnen angesprochene Kaufzurückhaltung aufgrund hoher Benzinpreise betrifft: Ein mir bekanntes Einzelhandelsgeschäft für Autozubehör (in NRW) lockte im letzten Jahr die weiter entfernt wohnende Kundschaft in seinen Anzeigen sinngemäß etwa wie folgt: „Wenn Sie mehr als 20 Kilometer mit dem Auto zu uns reisen (Nachweis über Autokennzeichen genügt), wartet eine Überraschung auf Sie.“ Es wäre dann in Ihr Ermessen gestellt, inwieweit Sie im Vorfeld die „Überraschung“ eingrenzen.
Juni 26, 2008 um 3:02 |
@Marco Haag,
wir haben folgende Aktionen schon durchgeführt:
1. Für den Einkauf ab 12,00 € gibt es eine kl. Lyoner gratis. (Bei uns war es die World-Wide-Wurt.de)
2. Hackfleisch-Aktion: 1 kg Hackfleisch und 250 g Nudel gratis dazu
3. Beim Kauf von zwei Eisbeinen gibt es ein paar Socken dazu.
4. Apfel: Im Herbst gab es einen Apfel dazu. (Gemeinschaftsaktion im Ort)
5. Rosen: ZU Muttertrag gab es eine Rose für die Damen.
6. Rasier: Zum Vatertag gab es für die Väter ein Rasierset
7. Nikolaus: Kinder dürfen ihre Stiefel im Laden abgeben. Sie werden gefüllt und können am andren Tag abgeholt werden.
8. Ostern: Jeder Kunde erhält ein gefärbtes Osterei.
9. Frühling: Beim verkaufsoffenen Sonntag gab es für jeden Kunden eine Primel für den Garten.
10. Die 10 + 2 Aktion: 10 Bratwürste kaufen und zwei gibt es als Muster dazu (Neue Sorte)
11. 20% auf Alles – (außer Molkereiprodukte) Wie beim Baumarkt…eine Woche durchziehen.
12. Probieraktion – Kunden probieren neue Produkte im Laden, oder auch zu Hause. (Als Probe mitgeben)
13. Visbek sucht die „Super-Wurst!“ – Kunden musten als „Wursttester“ die Wurst zu Hause probieren, sie bewerten und ihre Lieblingswurst nennen. Das „Testergebniss“ wurde auf einer Karte notiert und bei nächsten Einkauf in die Losbox geworfen. Es wurde drei Präsentkörbe verlost.
Juni 26, 2008 um 3:42 |
Sehr geehrte Kollegen,
Sie haben ein wirklich wichtiges und aktuelles Thema aufgegriffen!
Ja, die Zeiten werden schwieriger, werden sie jedoch auch schlechter? Experten aus dem Großhandel gehen davon aus, dass sich der Umsatz in der Fleischbranche um ca 20% verschlechtern wird. Die Kaufkraft sowie Kauflust sinkt und der Unmut über horrende Preise steigt. Sogar der stärkste Discounter hat nach Schätzungen 1,5 % verloren. Auch die tun sich schwer und haben zu kämpfen, jedoch sehe ich im kleinen und mittleren Einzelhandel enormes Potenzial!
Die unternehmergeführten Läden auf dem Land und in der Stadt haben Zukunft! Der Trend wird meiner Meinung nach „back to the roots“ gehen. Vorbei scheinen bald die Zeiten in denen man 100 km für Kleidung in die nächste Großstadt gefahren ist. Regionale Produkte sind gefragt. Regionale Produkte, die weniger Kosten verursachen, die in Zukunft zu fairen Preisen beim Metzger um die Ecke, beim Bäcker in der nächsten Straße und im Textilhandel in der Stadt zu kaufen sind. Kleine Unternehmen, die es in Zukunft verstehen einen fairen Preis anzubieten- geschaffen durch niedrighalten der Kosten, viel Eigeninitiative des Unternehmers- werden auch durch ihr hohes Servicepotential überleben. Aktionen müssen geschaffen werden, damit man im Gespräch bleibt. Angebote abwechslungsreich gestaltet werden und mit ganz großer Sicherheit werden auch verstärkt Einkaufsgemeinschaften gebildet. Große Zulieferer geben wesentlich bessere Preise für 200 anstatt 50Kg. Zusammenarbeit von Kollegen in ALLEN Bereichen ist gefragt.
Ich sehe optimistisch in die Zukunft und wünsche uns allen weiterhin gute Geschäfte
Mit freundlichen Grüßen Verena Hahn, Metzgermeisterin