Der Energie-Preissektor ist in Bewegung. Erdöl wird knapp. Peak-Oil wird von Experten bereits im nächsten Jahr erwartet. Die Benzin- und Dieselpreise machten in jüngster Zeit regelrechte Preissprünge, und die Gaspreise werden aufgrund der Ölpreis-Kopplung angepasst. Es gibt viele Anzeichen bzw. Ursachen für eine mittel- oder gar langfristige generelle Energie-Verteuerung, die über die bisher gewohnten jährlichen Steigerungsraten hinausgeht: Ursachen u. a.: Schwacher Dollar, China und Indien drängen vehement mit ihrer Nachfrage auf den Weltmarkt, – und Deutschland schaltet seine Kernkraftwerke ab.
Folge:
Energie sparen ist voll im Trend und könnte sich gar – notgedrungenermaßen – zu einem Megatrend ausweiten. Für Betriebe, Behörden und Haushalte gleichermaßen ist Energie sparende Wärmedämmung für Alt- und Neubauten ein großes Thema. Heizen mit regenerativer Energie (Stichwort: Pellet-Heizung), Solardach und Wärmedämmung aus Flachs sind angesagt. Automobil-Clubs geben Empfehlungen zum Spritsparen. Mietervereine liefern Informationen zum Energie-Sparen beim Heizen und Duschen. Mit anderen Worten: Energie sparen ist in aller Munde und fest im Bewusstsein des Einzelnen verankert.
Aufgrund der zu erwartenden Nachhaltigkeit dieses „Energie-Spar-Trends“ ist es für Sie als Fleischer/Metzgermeister sinnvoll, einmal zu überlegen, wie Sie entsprechende Kundenwünsche bei Ihrem Angebot berücksichtigen könnten. Es gilt für Sie also festzustellen, wie Sie eine begrenzte Sorten-Vielzahl Ihrer Produkte zu präsentieren oder anzudienen hätten, um insbesondere denjenigen unter Ihren Kunden besonders entgegen zu kommen, die auf qualitativ niveauvolles Essen nicht verzichten wollen, aber auch beim Braten oder Kochen Energie sparen möchten oder müssen.
Ein historischer Blick in einen anderen Kulturkreis liefert hier Ansatzpunkte:
Wir alle haben schon mal in einem China-Restaurant warm gegessen. Abgesehen vom typischen Geschmack einzelner Gerichte ist hierbei für mich – und wahrscheinlich auch für Sie- überraschend, wie man sich immer wieder hinsichtlich der gelieferten (Fleisch-)Menge verschätzt; ich glaube zu Anfang nämlich stets, ich werde nicht satt. Der Grund: die gelieferte Fleischmenge ist stets außergewöhnlich klein geschnitten, kann deshalb kompakt serviert werden und wirkt auf den ersten Blick „total überschaubar “. Meine anfängliche „Diagnose“ war also stets falsch – ich bin immer satt geworden.
Sicherlich gibt es gleich ein Bündel an Gründen, warum die Chinesen das Fleisch so klein schneiden: Ein wesentlicher liegt in der dadurch bedingten Vergrößerung der (Fleisch)-Oberfläche durchs Schneiden (mit Folgen für Aroma oder Geschmack); – der Hauptgrund jedoch ist die chronische, Jahrhunderte alte ENERGIE-Knappheit, die die Mehrzahl der Haushalte in China beständig zwang, lauwarm zu essen und zusätzlich ENERGIE sparend zu kochen. Denn: Ein kleiner, bzw. klein geschnittener Körper besitzt im Verhältnis zu seinem Volumen eine wesentlich größere Oberfläche als ein großer Körper und nimmt deshalb beim Kochen wesentlich leichter und schneller Energie auf. Fleisch wird also schneller warm. Der chinesische Haushalt spart hierdurch beim Erhitzen Zeit und Energie.
Wenn auch Sie den Energie-Spartrend nutzen möchten, sollten Sie sich zunächst einmal folgende Fragen beantworten:
Wie groß ist die Teil-Zielgruppe unter meinen Kunden, die für einen Energie-Spartrend beim Braten oder Kochen aufgeschlossen ist?
Welche Produkte aus meinem Sortiment sind diesbezüglich aufgrund ihrer Konsistenz und/oder Größe bereits geeignet ?
In welcher Kategorie könnte ich neue Produkte oder Produkt-Varianten kreieren, die aufgrund von Volumen oder Form Zeit- und Energie-Sparen beim Kochen oder Braten ermöglichen?
Manchmal muss man ein wenig quer denken, um erfolgreich zu sein. Etwas Neues wirkt im Verhältnis zum Bewährten anfänglich fast immer klein und kaum konkurrenzfähig. Auch Bio führte in der Anfangsphase jahrelang ein Schattendasein.
Vielleicht stellen Sie sich aber ganz einfach die Frage: „Was riskiere ich eigentlich, wenn ich in einem ersten kleinen Schritt die Resonanz meiner Kundschaft auf ein „(Koch-)Energie sparendes Angebot“ teste?”
Ich grüße Sie herzlich
Schlagworte: Aroma, Ölpreis, Energie, Energie sparen, Fleischer Blog, Megatrend, Metzger-Blog, Nachhaltigkeit, peak-oil, Pellet-Heizung, querdenken
Juni 3, 2008 um 9:40 |
Ein toller Beitrag, Herr Schmidt.
Ich verkaufe oft “Mini-Gulasch.” Mit diesem sehr fein geschnittenen Fleisch kommen ich 1. aus dem Preisvergleich der Märkte raus und 2. verkaufe ich es damit, dass der Kunde es viel schneller garen kann.
Weiter können wir in unseren großen Backöfen viel günstiger Fleisch garen und dieses als fertiges Menü anbieten. Der Kunde braucht wirklich nur noch sehr wenig Energie für sein Essen aufwenden.
Sie haben völlig Recht. Ich habe schon zeit langer Zeit die Idee meine Angebot nicht in Kilo Preis anzugeben, sondern im Preis “je Portion.” Damit wird dem Kunden viel deutlicher, was ein Essen kostet. Ob ich z.B. schreibe: “Spießbraten 1 kg 5,98 €” oder ob ich schreibe “Spießbraten Portion 1,79 €” Damit kann der Kunde doch viel mehr anfangen.
Der Energiepreis wird uns zukünftig mehr und mehr wichtig werden. Er rückt beim Kunden, wie beim Fleischer, immer mehr in den Mittelpunkt.