Anregungen zur kreativen Nachahmung
Das neue Einkaufs- oder Shoppingcenter am Limbecker Platz in 45127 Essen wurde von der regionalen und überregionalen Presse als das größte Einkaufszentrum im Ruhrgebiet vorgestellt. Ich habe das Shoppingcenter jüngst an einem Samstag besucht.
(Produkt-)Angebote und Serviceleistungen sind auf mehreren Etagen platziert und repräsentieren einen Mieter- bzw. Branchenmix. Dieser reicht von Geschenkartikeln über Mode bis zu Unterhaltungs-Elektronik und wird ergänzt durch gastronomische Einrichtungen. Mieter sind überwiegend Ketten mit ihren Filial-Betrieben sowie Konzeptnehmer. Einzelunternehmer sind offenbar in der Minderzahl.
Lebensmittel-Betriebe sind überwiegend in der ersten Etage konzentriert. Bäckereien, eine Fleischerei, Konditoreien sind für den Kunden leicht erreichbar in Laufrichtung vielfach hintereinander platziert.
Da das Center wenige Wochen nach Eröffnung an dem betreffenden Samstag gut besucht war, konnte man schnell erkennen, wer durch Waren-Präsentation und Aussage den Kunden am meisten zu begeistern oder zu überraschen verstand – denn vor den jeweiligen Betrieben bildeten sich Schlangen. Nachstehend meine diesbezüglichen Eindrücke aus den Branchen Bäckerei/Konditorei.
Beispiel eins:
„Hoberg’s Steinofen Bäckerei“
(Shop-Listung im Shoppingcenter unter Shops & Marken: Hoberg)
Auffällige Produkt-Präsentation in einem etwas schräg stehenden Regal an der hinteren Wand. Das Regal war unterteilt in vier mal fünf mittelgroße Fächer, die durch dekorative Holzrahmen gegeneinander abgegrenzt waren. In jedem der Fächer waren zwei Brote in voller Größe Appetit anregend „dekoriert“. Im Verkauf waren ansehnliche, weiß gekleidete Verkäuferinnen mit Barett ähnlich ausladenden schwarzen Mützen. Folge: Ein Aufsehen erregender Schwarz-Weiß-Kontrast.
Im ganzen Center habe ich keinen anderen Betrieb gefunden, der für den Besucher ähnlich „deutlich wahrnehmbar“ war wie dieser.
Beispiel zwei
„Bio-Bäcker Bio-Mühle Backbord“
(Shop-Listung im Shoppingcenter unter Shops & Marken: Backbord)
Die Aussage: Ofenfrische Bio-Spezialitäten, stündlich frisch aus unserem Steinbackofen!
Die Grund-Aussage wurde unterstützt durch drei Plakate:
Backen mit viel Zeit
Für natürliche Reife und herzhaften Geschmack
Brotgenuss
Ökologische Sauerteigtbrote, auf Stein gebacken
Unsere Zutaten nur aus ökologischer Landwirtschaft
Auch dieser Unternehmer hat es verstanden, die wesentlichen Vorteile eines Einkaufs in seinem Geschäft deutlich zu vermitteln, indem er die Nutzen-Stiftung (besonders herzhafter Geschmack) argumentativ überzeugend untermauerte. Hier standen durchschnittlich stets 15 bis 20 Leute Schlange.
Beispiel drei
„Café und Konditorei Luxem“
(Shop-Listung im Shoppingcenter unter Shops & Marken: Café Luxem)
Die Besonderheit dieses Betriebes ist das Styling. Der Center-Besucher blickt hier vorstehend links auf eine Holzwand, in die ein mittelgroßes Fenster gearbeitet ist. Durch dieses Fenster blickt man in einen kleinen Raum, in welchem von einem Konditormeister und einem Gehilfen die Torten Schicht für Schicht hergestellt werden. Vor diesem Fenster drängen sich die Besucher und schauen dem Meister bei der Arbeit zu. Neben diesem „Arbeitsraum“ ist eine Pantry zur daneben liegenden Verkaufsstelle mit rundum laufender Theke und angrenzendem Café.
Fazit: Dieser Unternehmer versteht es geschickt, die Wertigkeit seiner Erzeugnisse zu erhöhen, indem er durch „gläserne Produktion“ dem Kunden ein besonderes Erlebnis und zusätzlich auch Vertrauen vermittelt.
Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare und grüße Sie herzlich
Schlagworte: Metzger-Blog, Fleischer Blog, Erlebnis, kreative Nachahmung, Shoppingcenter, Limbecker Platz, Serviceleistung, Produkt-Präsentation, Nutzen-Stiftung, Wertigkeit, überraschen, Vertrauen
April 30, 2008 um 11:13 Uhr vormittags
Guten Tag Herr Schmidt,
auch wir haben unseren “Flaggship” in einem ECE-Innenstadt-Einkaufscenter mit über 100 Geschäften. Der Branchenmix ist auch hier wie Sie schon beschrieben haben stark Ketten-lastig und Lebensmittel / Food im Allgemeinen unterpräsentiert, aber günstig gelegen direkt am Haupteingang - jeder muss vorbei. Aber als Betreiber kann man, oder besser muss man viel innovativer und aktiver verkaufen. Unsere Besucher erwarten hier ständig neu Impulse, man versucht sich ständig neu zu präsentieren und ist experimentierfreudig. Ich kann meine Leidenschaft für die mediterrane (italienische) Küche ausleben. Zu Beginn (vor 10 Jahren) profitierten wir fast ausschließlich von der hohen Kundenfrequenz (Center min. 20.000 Besucher täglich - in Spitzenzeiten 60.000 Besucher - 1500 Parkplätze weil großes Einzugsgebiet) da wir noch relativ unbekannt in der Stadt Siegen waren. Heute haben wir sehr viele Stammkunden, neben den Laufkunden. Wir verkaufen in der City-Galerie ausschießlich Premium, neben unseren hausgemachten Wurst- und Schinkenspezialitäten (kein Fleisch!), bieten wir dort ein auserwähltes Käsesortiment (ca. 200 Sorten), Antipasti, hausgemachte Feinkostsalate, Käseaufstriche und ganz neu “handmade” Brotspezialitäten. Die ehemalige Fleischerei-Filiale haben wir step-by-step zu einem Feinkost-Spezialitäten-Geschäft gewandelt, die Kundenwünsche haben uns dabei geleitet und inspiriert.
Die Mieten und Nebenkosten sind horrend (Umsatzmiete, Vollklimatisierung, Aktions-/Animationsaufbauten in der Mall, usw.), aber die Leute kommen & shoppen, selbst an heissen Tagen - es funktioniert!
Unser Geschäft wurde letztes Jahr komplett erneuert, ist ein echter Hinkucker (s. homepage). Die nächste Renovierung wird wahrscheinlich schon früher fällig, im Center wird alles schnelllebiger und ein Laden ist schneller “alt”, neben dem Glanz und Glamour der grell-beleuchteten Modeläden.
Grüsse aus dem Siegerland
inGO gütelhöfer