Aspekte der Stromversorgung

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

am Dienstag Abend dieser Woche bin ich mit großen Interesse einer weiteren Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Bildungswerk Dortmund nach Bielefeld gefolgt. Dort referierte Prof. Dr. Hermann-Josef Wagner, Bochum zum brisanten Thema

„Wenn uns das Öl ausgeht – was sind die Energien von morgen?“.

Die Begrüßung der Gäste lag wie stets in den Händen von Dr. Marco Arndt, Leiter Bildungswerk Dortmund der KAS.

Die Moderation übernahm wiederum MdL Rainer Lux.

Ich greife aus dem profunden und aufschlussreichen Referat des Dozenten der Ruhr-Universität Bochum (Lehrstuhl Energiesysteme und Energiewirtschaft) einige Erkenntnisse heraus, die insbesondere Sie als mittelständischen Fleischer/Metzgermeister interessieren könnten.

Ich habe Hermann-Josef Wagner wie folgt verstanden:

1) Obschon Deutschland im wesentlichen zur Zeit auf dem Sektor der Energiebeschaffung einen Mix aus Erdöl, Kohle, Erdgas, Kernenergie und erneuerbaren Energien zur Verfügung hat, deckt Mineralöl mit etwa 34% den weitaus größten Teil des deutschen Energiebedarfs.

2) Der Erdölpreis (gemessen in US Dollar/Barrel= 159 Liter), der in den letzten Jahren nach Ende eines generell hochpreisigen Winterhalbjahres stets zu fallen pflegte, befindet sich in diesem Frühjahr weiter im Steigen.

Die Gründe:

Insbesondere China und Indien heizen die weltweite Nachfrage an.

Die Förderländer hingegen sind zögerlich bei Ausweitung ihrer Kapazitäten, da alle Welt auf Dauer „weg vom Öl“ will.

Erdöl ist zum weltweiten Spekulationsobjekt geworden.

Mein persönlicher Kommentar:

Rückführung des Kern-Energie-Angebots in Deutschland und die damit verbundene Energie-Verknappung sowie ein steigender Ölpreis erhöhen den Innovationsdruck auf deutsche Betriebe. Als künftiger Gradmesser für die Marktpositionierung eines Betriebes (und somit auch Ihrer Fleischerei/Metzgerei) wird der Innovationsquote eines Unternehmens größer werdende Beachtung zuteil werden. Ich werde hierzu in einem meiner nächsten Beiträge auf Fleischer/Metzgerblog intensiv eingehen. - Kommentar-Ende -

3) Deutschland steht primär solchen Zukunfts-Energien aufgeschlossen gegenüber, die keinen oder möglichst wenig CO2-Ausstoß verursachen. (Windkraft-Anlagen, Gezeiten-Kraftwerke, Aufwind-Kraftwerke (Solar-Thermik-Anlagen), Solar-Anlagen und Bio-Energie; allerdings bilden Bio-Energie und Nahrungsmittelproduktion eine große Kontroverse.)

4) ENTSCHEIDEND für Sie als mittelständischen Unternehmer ist eine andere Aussage des Referenten: Es gibt in Deutschland Stromnetz-Engpässe. Die derzeit vorhandenen Kapazitäten werden zur Zeit nicht in dem notwendigen Maße und/oder Tempo aufgestockt, um gelegentliche Überlastungen zu vermeiden. Zudem würde der weitere Ausbau der Windkraft-Anlagen die Stromnetze zusätzlich belasten.

Folge: Das deutsche Stromnetz könnte auch in Zukunft lokal, regional immer mal wieder zusammenbrechen.

Soweit die Ausführungen des Referenten, wie ich sie verstanden habe.

Meine in der anschließenden Diskussion an Hermann-Josef Wagner gerichtete Frage nach der Dauer einer möglichen Unterbrechung beantwortete der Dozent sinngemäß wie folgt:
„Aufgrund internationaler Cooperation mit Nachbarstaaten beschränkt sich eine Unterbrechung durch Überlastung in der Regel auf wenige Stunden.“

Es entsteht die Frage, was in ca. drei oder vier Stunden in Ihrem Betrieb passieren könnte. Vielleicht erinnern Sie sich auch noch an den Super-Gau vom Winter 2006/2007, als im Münsterland Strommasten unter Schneelast wie Streichhölzer einknickten und tagelang dort „nichts mehr ging“.

Folge: Wir alle, und somit auch Sie, müssen in Deutschland mit dem Risiko des Stromausfalls leben.

Welche Absicherungs- oder Überbrückungsmöglichkeiten haben Sie u. a. bei einem derartigen Scenario in Ihrer mittelständischen Fleischerei?

A) betriebswirtschaftlich

Die Betriebs-Unterbrechungs-Versicherung

Hier könnte eine Betriebs-Unterbrechungs-Versicherung greifen. Hier hätten Sie die Höhe der monatlichen Aufwendungen gegen die Ausfallwahrscheinlichkeit abzuwägen.

B) technisch

a) reines Notstrom-Aggregat

b) Blockheizkraftwerk inkl. Notstrom-Agrregat

Ad a) ein reines Notstrom-Aggregat, meist auf Diesel-Basis betrieben, wäre die eine, Ihnen sicherlich bekannte Alternative

Ad b) Die andere Möglichkeit wäre, die Energie-Versorgung Ihrer Fleischerei von einem Blockheizkraftwerk (BHKW) übernehmen zu lassen. Zum Thema BKHW hatte ich anschließend ein aufschlussreiches Gespräch mit Dipl.-Kfm. W. Meinhold, Verkauf/Vertrieb Sokratherm GmbH und Co KG, 32120 Hiddenhausen. Gemäß seiner Information könnte ein solches Blockheizkraftwerk erstens die Energieversorgung (Strom und Wärme) eines Betriebes abdecken und zweitens zusätzlich mit einem Notstrom-Aggregat ausgerüstet werden.

Für Interessierte hier der unmittelbare Einstieg in die diesbezügliche Sokratherm-Site für ergänzende Informationen.

Ich danke für Ihr Interesse und grüße Sie herzlich.

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

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4 Antworten zu “Aspekte der Stromversorgung”

  1. Marco Haag sagt:

    Hallo Herr Schmidt,

    habe Ihren neuen Artikel nur überflogen, kann Ihnen aber kurz mitteilen, dass wir seit Dezember 2007 ein Blockheizkraftwerk installiert haben; uns wurde ausgerechnet, dass wir damit 4.000 bis 5.000 Euro im Jahr an Energiekosten einsparen werden. Des weiteren haben wir dadurch immer 75 C heißes Wasser aus der Wasserleitung zur Verfügung. Die Reinigung unserer Maschinen geht hierdurch auch wesentlich schneller.

    Gruß

    Marco Haag

  2. Gütelhöfer i. sagt:

    Hallo Herr Schmidt,

    auch wir denken gerade darüber nach, ein Blockheizkraftwerk anstelle unseres alten Ölbrenners zu installieren. Auch uns wurden die von Herrn Haag dargestellten Kosten / Einsparungen vorgerechnet. Gerade aber auch der von Ihnen angeführte Aspekt der Notstromversorgung gibt ein beruhigendes Gefühl, denn so haben es mir auch schon diverse Sachkundige bezeugt, dass Ausfälle kommen werden, - das Netz ist marode. Ihre Darstellung bestärkt mich, in zukunftsträchtige Technik zu investieren.

    Einzig die fehlende Einbindung einer Wärmerückgewinnung der Abwärme von den Kühlmaschinen macht uns noch Kopfzerbrechen. Die bisher vorgestellten Konzepte überzeugten uns nicht.

    Ich frage mich: Ist es eine aufgebauschte, gesteuerte Preispolitik der gierigen Ölkonzerne oder haben wir Peakoil tatsächlich überschritten?
    Wenn ja, rollt wohl ganz anderes auf uns zu …

    Grüsse

    inGO gütelhöfer

  3. Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt sagt:

    @ Marco Haag
    vielen Dank für die Darstellung der Vorteilhaftigkeit eines Blockheizkraftwerks für eine Fleischerei. Hatte man doch vielfach in der Branche angenommen, ein solches “Kraftwerk” eigne sich erst ab einer Betriebs- oder Raumgröße im Format eines Hallenbades oder einer Tennishalle.

    @ InGO Gütelhöfer
    auch Ihnen besonderen Dank für den wertvollen Hinweis auf “Peakoil”, - ist das doch der im Angelsächsischen verwandte Begriff für den Zeitpunkt, an dem die Erdölförderung weltweit ihren Zenit erreichen wird. Viele Fachleute halten diesbezüglich bereits das Jahr 2009 für wahrscheinlich. Nachstehend gebe ich hierzu einen Link zu einer Site, die sich kritisch mit dem Zeitraum nach “Peakoil” auseinander setzt.
    Beste Grüße
    Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

  4. Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt sagt:

    @ InGO Gütelhöfer

    P.P.S.
    Der in meinem Beitrag zitierte Prof. Dr. Wagner hat sich ebenfalls mit “Peakoil” intensiv beschäftigt. Seiner Meinung nach sollten bei diesbezüglichen “Termin-Fixierungen” - so erläuterte er in seinem Bielefelder Referat - auch solche Reserven betrachtet werden, deren Erschließung primär von einem hohen oder gar weiter steigenden Ölpreis abhängig ist. Zu diesen Reserven gehören u. a.:

    1) Vorkommen in der Tiefsee
    2) Lagerstätten in der Antarktis
    3) stark verunreinigte Substanzgemische in Kanada;

    denn nur ein hoher Ölpreis ermögliche, ergiebige Fördermethoden zu kultivieren, die zur Nutzung insbesondere auch dieser Quellen dienen.
    Beste Grüße
    Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

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