Der anspruchsvolle Verbraucher und die Rückverfolgbarkeit
Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
Ihre Haupt-Zielgruppe ist der „anspruchsvolle Verbraucher“. Diese bedeutsame Kundengruppe wird in letzter Zeit verstärkt auch von Discountern und Supermarkt-Ketten umworben. So hat sich der Discounter Plus seit einiger Zeit mit Bio-Fleisch in Form von Rinderhack für diese Zielgruppe profiliert. Und der Discounter Aldi-Süd nutzt seine offenbar positiven Erfahrungen mit Bio-Wurst, um durch die avisierte Erweiterung seines Bio-Sortiments ebenfalls seinen Ruf als Anlaufstelle für den „anspruchsvollen Verbraucher“ zu untermauern.
Edeka-Nord bedient z. B. den Kundenwunsch dieser Zielgruppe nach Qualität, Zuverlässigkeit und Transparenz, indem man eine besondere Rückverfolgungsmöglichkeit durch „offene Deklaration an der Fleischtheke“ eingerichtet hat. So kann sich der Endverbraucher über eine Internet-Plattform durch Eingabe eines am Fleischstück in der Theke ausgewiesenen Identifikations-Codes sachkundig machen, von welchem Landwirt das gekaufte Fleischstück stammt.
Die Frage ist also: „Wie können Sie als regional operierender Einzel-Unternehmer dieser auch von Ihrem Kunden gewünschten Qualität, Sicherheit und Transparenz bestmöglich entsprechen?“ – Oder: „Durch welche Maßnahmen können auch Sie oder insbesondere Sie erstklassige Transparenz vermitteln?“
Die Antwort lautet: „Spielen Sie Ihre Stärken aus!“ – Denn Sie haben ganz entscheidende Vorteile, die es gilt, dem Endverbraucher –und darunter insbesondere immer wieder auch Ihren Stammkunden und Intensiv-Verwendern- bewusst zu machen:
Sie haben insbesondere als nicht filialisierender Einzelhändler ein vergleichsweise kleines und überschaubares Sortiment
Die Anzahl Ihrer Einkaufsstätten (Bauern) ist in aller Regel eng begrenzt
Wahrscheinlich können auch Sie den größten Teil Ihres Einkaufs lokal oder regional besorgen. D. h. Sie kennen wahrscheinlich die einzelnen Bauern persönlich durch unmittelbaren Kontakt, Sie kennen deren Fütterungs/Zuchtmethoden.
Eventuelle qualitative Abweichungen sind schnell auffällig. Sie können umgehend oder kurzfristig reagieren.
Durch Regional-Einkauf leisten Sie und Ihre Kunden einen entscheidenden Beitrag zum immer wichtiger werdenden Klimaschutz.
Durch mögliche Schlachthofnähe zum jeweiligen Tiere-Standort wird den Tieren ein weitestgehend stressfreier Transport zum Schlachthof ermöglicht.
Nachstehend folgen einige sinnvolle praktische Beispiele, wie einzelne Ihrer Kolleginnen/Kollegen die besondere Vorteilhaftigkeit eines Einkaufs in einer Fleischerei/Metzgerei ihrer Kundschaft vermitteln:
So hat einer Ihren Kollegen ständig ein weithin sichtbares Display hinter seiner Ladentheke positioniert, auf welchem deutlich zu lesen steht:
„Unser Frischfleisch stammt heute vom Bauern Mustermann.“ Der Bauer wird abgebildet. Die Anschrift des Hofes ist deutlich lesbar.Je nach Lieferung wird der Name des Bauern dann ausgewechselt.
Das ist eine Form von Transparenz, die sich auf das ganze betreffende Sortiment bezieht. Einzelnachweis an Fleischstücken entfällt hier sogar.Ihr Kollege Carsten Neumeier aus der Landfleischerei Neumeier im hessischen Lichtenau-Walburg konzentriert seinen Fleischeinkauf auf einige wenige Lieferanten. Durch diese Lieferanten-Beschränkung konnte er seine Wurstprodukte jeweils durch einen Bauern-Clip kennzeichnen, der „über seine spezifische Farbe auf die jeweilige Fleischprovenienz“ hinweist. (Vgl. hierzu Fleischer/Metzgerblog-Beitrag vom 16. November 2007).
Ihr Kollege Dirk Flechsig - Fleischfachgeschäft Flechsig GmbH - im westfälischen Kamen und Bergkamen bevorzugt beim Einkauf „Fleisch aus artgerechter Tierhaltung“. Die Transparenz vermittelnde Standortnähe der betreffenden Herden zu seinen beiden Geschäften nutzt er geschickt, an den Regional-Stolz seiner Kundschaft zu appellieren und auf seinen Beitrag zum Klimaschutz hinzuweisen.
Ihr Kollege Alfons Gierl aus der Hofmetzgerei Höfermühle in niederbayerischen Geiersthal im Bayerischen Wald profitiert gar von seinem „Fleischeinkauf auf dem Nachbargrundstück“. Er betreibt vom Schlachthaus über die Wurstküche, die Räucherkammer und das Kühlhaus bis zum Hofladen alles in Eigen-Regie und vermittelt somit ein Höchstmaß an Transparenz und Vertrauen. (Vgl. Fleischer/Metzgerblog-Beitrag vom 03. März 2008).
Weitere Anregungen unter Kommentare sind willkommen. Ich grüße Sie herzlich
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März 27, 2008 um 8:39 Uhr nachmittags
Die Diskussion über die Herkunft des Fleisches wird immer nach einem “Skandal” laut. Im Lokal fragt niemand, woher das Steakfleisch ist, bei der “Nordsee” gibt keiner Auskunft, aus welchem Fluss der Fisch stammt.
Wir Fleischer können jedoch die Fragen der Kunden persönlich beantworten. Welcher Discounter kann das? Das persönliche Gespräch ist der größte Vorteil den wir Fachgeschäfte haben. Mit geschultem und gutem Personal haben wir echte Vorteile.
Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und alle möglichen Vorteile eines Fleischer-Fachgeschäftes gegenüber einem Discounter aufgeschrieben. Es war erstaunlich, welche echten Vorteile wir alle haben. Wir müssen sie nur bündeln und nutzen!