Beruf[ung]

By Ludger Freese

Foto: Ludger Freese

Berufsschule – für viele Ausbilder ein Reizthema, für viele Auszubildende eine Herausforderung – oder besser – ein „Gammeltag“. An den zweiten Berufsschultag im ersten Ausbildungsjahr haben wir uns vielleicht schon gewöhnt. Die Lehrlingszahlen haben sich dadurch garantiert nicht erhöht und viele Betriebe haben sich von der Ausbildung junger Menschen ganz verabschiedet. Das ist schade, denn der Fachkräftemangel wird uns in kürzester Zeit einholen.

Ich möchte aber die Seite der Jugendlichen betrachten. Hier wird die Schule gerne als „Freientag“ betrachtet. Man kann länger schlafen, hat am Nachmittag frei, man kann rauchen (obwohl verboten), trifft sich mit Kumpels und der Unterricht ist eh „voll langweilig!“ Das mag nicht auf alle unsere Berufsschüler zutreffen. Die Berufsschulen mit ihren Lehrkräften haben es bestimmt nicht immer leicht. Die Motivation in den Klassen schreit nicht jeden Morgen laut: „Hurra!“ Aus diesem „Teufelskreislauf“ der Lustlosigkeit, der Gleichgültigkeit und der „kein-Bock-auf-Schule“ kommt man nur schwer heraus.

Ich stelle mir oft die Frage, was machen wir Fleischer falsch? Warum sehen einige junge Menschen ihre Zukunft so gleichgültig? Wie können wir den Berufsschullehrern helfen? Wie sieht eine perfekte Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Schulen aus? Stellen Sie ähnliche Situationen fest?

Das Thema Berufsschule war in dieser Woche in unserem Betrieb sehr aktuell. Eine Auszubildende hatte die Schule geschwänzt und sich etwas Freizeit gegönnt. Wir bilden gerne aus und freuen uns immer auf gute Lehrlinge. Wenn ich jedoch die aktuellen Bewerbungen sehe, frage ich mich: „Wohin soll sich unser Berufstand entwickeln“?

Wie sieht es bei Ihnen aus? Mit den besten Grüßen: Ludger Freese

4 Antworten zu „Beruf[ung]“

  1. Marco Haag sagt:

    Hallo Herr Freese,

    mit der Schule denken unsere Azubis auch das selbe, wir Ihre Auszubildende, im Jahre 2007 hatte ich einen Azubi der hatte 10 Fehltage in der Schule. Die Schule hat sich aber erst nach dem 10 Fehltag bei uns gemeldet, dann ist es auch schwer, von unserer Seite noch gegen dieses Fehlverhalten zu steuern. Auch vom Nachlaufen der Berichtshefte habe ich langsam die Nase voll.
    Aber auch für die Schule habe ich manchmal kein Verständnis;- wie kann man in der Weihnachtswoche den Zusatztag legen.
    Trotzdem werden wir weiter ausbilden, auch wenn ich mit 37 Jahren bald keine Haare mehr auf dem Kopf habe, man muss auch an seine Zeit als Azubi zurück denken und sich auch vor Augen halten, daß auch wir viel Blödsinn gemacht haben.
    Denn wenn ein schwieriger Azubi gut durch die Prüfung gekommen ist, ist auch der Betrieb ein bischen Stolz darauf.

    Viele Grüsse

    Marco Haag

  2. Ludger Freese sagt:

    @Marco Haag,
    mir geht es ähnlich. Stolz sind wir über jeden Auszubildenden. Wenn ich die Jugendlichen vom ersten Arbeitstag bis zur Prüfung betrachte, haben sie in den drei Jahren einen sehr großen Sprung gemacht. Die Arbeitswelt formt Menschen ungemein. Verantwortung, Aufgaben, Lohn und Lob lassen Menschen reifen.

  3. Peter Häfner sagt:

    Guten Tag Herr Freese.
    Zu Ihrer Frage: „Was machen wir Fleischer falsch….“
    Die Zeit hat sich gewandelt und nicht nur ein bisschen. Wir Metzger/Fleischer jedoch nicht oder nicht in ausreichendem Maße. Wir müssen uns einmal Fragen:“ Kann es sein, das es auch mit an uns liegt, wenn wir nicht mehr genügend bzw. qualifiziertere Lehrlinge bekommen?“
    Außerdem haben wir, obwohl viel Technik die uns die Arbeit abnimmt, viel zu wenig Zeit für unsere Lehrlinge.
    Ich persönlich kenne noch genügend Betriebe, die nur ausbilden, weil Lehrlinge viel weiniger kosten als Festangestellte. Aber stimmt das wirklich? Natürlich nicht. Macht man es richtig, so kostet eine Lehrstelle eigentlich viel mehr (auch Nerven) als eine Vollzeitkraft. Es gab schon Zeiten, da mussten die Lehrlinge Geld bezahlen, wollten sie eine Ausbildung machen.
    Nein Ausbildung ist eine teuere Angelegenheit, wäre aber wichtig, um in Zukunft Menschen zu haben, die eine Rinderhälfte von einer Schweinehälfte unterscheiden können.

    Das Hauptproblem liegt, so denke ich, viel mehr am schlechten Image von uns Metzgern. So manche jungen Leute würden lieber für den Rest ihres Lebens arbeitslos bleiben, als bei uns eine Ausbildung zu machen.
    Aber das ist mittlerweile fast jeden von uns bewusst.
    Die Frage ist:“ Wie können wir bzw. jeder einzelne Metzgerbetrieb das Image in der Öffentlichkeit auch für junge Leute wieder steigern?“ Da reichen ein paar gut gemeinte Werbespots von unserem Verband leider nicht aus.

    Was die Berufsschule betrifft sind wir da eine richtige Ausnahme; unsere Lehrlinge haben nur einmal in der Woche Schule. (Für machne wäre eine ganze Woche zu wenig.)

    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Häfner

  4. Dirk Ludwig sagt:

    Ich denke, dass wir noch viel mehr tun können, um guten Nachwuchs zu finden. haben wir uns alle schon als Arbeitgebermarke positioniert? Wo liegen unsere Vorteile für den Arbeitnehmer? Was bieten wir den jungen Leuten? Was unternimmt das management der Fleischerei? Sind wir familienorientiert? Haben wir ein betriebliches Gesundheitsmanagement? Wie ist unsere Einstellung zu gesellschaftlichen und Umweltschutzthemen? Wissen wir das eigentlich selbst und kommunizieren wir das auch nach innen und außen? Der Wettbewerb um Arbeitskräfte ist genauso wichtig und intensiv für den Geschäftserfolg, wie der Wettbewerb um neue Kunden. Ich vermute hier hat der ein oder andere Kollege noch Verbesserungspotential. Ich empfehle hier die Studie auf Seite http://www.biz-awards.de/static/upload/file/EB_Employer_Branding.pdf

    Und noch eine Praxiserfahrung. Ich wollte für meine Lehrlinge einen jährlichen Lehrlingsausflug veranstalten. Die jungen Leute sollen etwas neues sehen, etwas neues Hören und erleben. Gleichzeitig soll die Weiterbildungsbereitschaft von Anfang an, als fester Bestandteil der Unternehmesphilosophie deutlich gemacht werden. Da man Gutes nicht neu erfinden muss, habe ich meine drei Lehrlinge am Wochenende für eine Betriebsbesichtigung des Juniorenverbandes des Deutschen Fleischerhandwerks e.V. bei den Firmen Bedford und Rolf Nagel angemeldet. Da musste ich nicht einmal etwas extra organisieren. Und das Resultat? Lehrlinge die top motiviert und fortgebildet zurückkommen und die im Kreise anderer junger Berufskollegen erfahren haben, dasss Weiterbildung elementarer Bestandteil unser Arbeitswelt in Zukunft ist. Ich kann jedem Kollegen aus eigener Erfahrung nur raten, ebenfalsl diesen Weg zu beschreiten und die Veranstaltungen des Juniorenverbandes für die Lehrlinge des eigenen Unternehmens zu nutzen. Zu meiner Schande muss ich eingestehen, dasss mir das selbst erst nach Beendigung zehnjähriger aktiver Vorstandsarbeit bei den Fleischern bewusst wurde. Ich habe leider eine Menge Zeit vergeudet, weil mir dieser kostenlose Weg der Mitarbeitermotivation nicht früher eingefallen ist.

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