Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
anlässlich meiner jüngsten Besuche in Fleischereien habe ich –wißbegierig, wie ich nun einmal bin- drei aufgeschlossenen Fleischermeistern aus verschiedenen Bundesländern die gleichen Fragen gestellt. Die betreffenden handwerklich strukturierten Betriebe sind Inhaber geführt und haben Ihren Standort jeweils in einer Kleinstadt bzw. ländlichen Gegend. Alle drei Inhaber besitzen sämtliche Sachbücher aus der „Fleischerei mit Fadenkreuz!“-Reihe
Nachstehend die Erörterungen
Thema eins: Zielsetzung für die nächsten Jahre
Fazit: der Gesundheitstrend ist bei der Bevölkerung angekommen. Alle drei Fleischereien fahren eine „Gesundheitsschiene“. Einer der Betriebe konzentriert sich auf die Teil-Zielgruppe „Allergiker“, die beiden anderen kombinieren ihr Gesundheits-Angebot mit „Regional-Produkten“. Die jeweiligen Angebote sollen trendgerecht „ausgebaut“ werden.
Thema zwei: Kundenwunsch-Entwicklung
In allen drei Betrieben arbeitet die Ehefrau im Ladengeschäft und „hört genau, was die Kunden wünschen“. So hat man übereinstimmend festgestellt, wie nicht nur bei jüngeren Familien der Trend zu mehr Bequemlichkeit geht. „Viele Familien können oder wollen nicht mehr kochen.“ Der Trend zu Fertig-Gerichten hat sich in letzter Zeit verstärkt.
Thema drei: Umsätze Ladengeschäft, Party-Service, Lieferungen an Supermärkte und LEHs, Online-Shop
Die Zuwachsraten in den Bereichen Ladengeschäft, Party-Service und Lieferungen an Supermärkte und LEHs haben als „normal“ bezeichnete Schwankungen. Bedeutende Umsatzzuwächse im Ladengeschäft hatten die hausgemachten „regionalen Spezialitäten“, während man beim Aufschnitt Umsatzrückgänge zu verzeichnen hatte. Man vermutet hier, der Aufschnitt würde verstärkt in Supermärkten gekauft. Die größten Zuwächse hatten alle drei Betriebe in ihrem Online-Shop. Begründung: Der Endverbraucher wird im Umgang mit dem Internet immer sicherer und betrachtet das Netz inzwischen als etwas ganz Normales. Insbesondere über das Netz hat der Endverbraucher problemlos Zugang zu „regionalen Spezialitäten“ kleinerer handwerklicher Betriebe anderer Bundesländer, die er sonst in seiner Stadt nicht so ohne weiteres kaufen kann. Zudem informieren sich auch Kunden, die nicht online kaufen, vor Besuch der jeweiligen Fleischerei vorab auf deren Website.
Thema vier: Konkurrenz-Beobachtung
Der „Wettbewerb auf Augenhöhe“ wird besonders ernst genommen. Man informiert sich, indem man die „besonders starken Läden aufsucht“.
Thema fünf: Strategische Anregungen
Übereinstimmend wurde gesagt, viele Kollegen der jeweiligen Region hielten sich in persönlichen Gesprächen mit Informationen aus Wettbewerbsgründen stark zurück. Man wolle offenbar keinen unmittelbaren Regional-Konkurrenten „besonders schlau“ machen.
Folglich habe man sich vielmehr immer wieder “Tipps und Tricks” im Fleischer/Metzger-Blog geholt, da dort offensichtlich bundesweit „offen und ehrlich zum Nutzen der gesamten Branche“ argumentiert würde.
Thema sechs: Branchen-übergreifende Anregungen
Anregungen auf Fleischer/Metzger-Blog aus anderen Branchen sind immer willkommen. Der berühmte „Blick über den Tellerrand“ hat schon manchen Impuls geliefert. So hat einer der drei Betriebe nach Blog-Hinweis auf 22 verschiedene Schokoladen-Sorten einer Konditorei sehr schnell gespürt, auch seine Salami-Sorten überaus erfolgreich strecken zu können.
Ich habe mit großem Interesse diese Information zur Kenntnis genommen und werde hier im Blog in Kürze eine weitere Konditorei vorstellen, deren Inhaber ganz offensichtlich nicht nur ein klares Konzept hat, sondern sich vor allem auch über die Gründe seines Erfolges im Klaren ist.
Thema sieben: Werbung
Erstaunlich: keiner der Betriebe macht (Print-)Werbung in seiner Region. Übereinstimmender Original-Tenor: “Die Stammkunden kommen von alleine.” Und es sind insbesondere Großstädter, die zum Teil größere Strecken fahren, um das “besondere handwerkliche Regional-Angebot” nachzufragen. Vornehmlich bei solchen Kunden sind die Einkaufs-Volumina vielfach dreistellig pro Einkauf und Kunde.
Thema acht: Die größte Sorge
Die Fleisch-Skandale des vergangenen Jahres haben auf „die Stimmung gedrückt“. Derartiges dürfe sich auf keinen Fall wiederholen. Mit großer Sorge beobachte man auch die Entwicklung auf dem „Gen-Mais-Sektor“. Offenbar könne insbesondere der amerikanische Konzern Monsanto seine Pläne zum kommerziellen Anbau von Gen-Mais in Kürze auch in Deutschland umsetzen. (Hierzu berichtete auch das Ärzteblatt). Mögliche Auswirkungen auf die Tierwelt könnten wohl zur Zeit noch nicht eindeutig abgeschätzt werden und könnten zur weiteren Verunsicherung der Bevölkerung beitragen.
Ich sehe Ihren Kommentaren mit Interesse entgegen.
Herzliche Grüße
Schlagworte: Allergiker, Fertig-Gerichte, Fleischer Blog, Gen-Mais, Gesundheit, Metzger-Blog, regionale Spezialitäten