Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
wohl kaum jemand wird ernsthaft behaupten wollen, das Arbeiten in der Fleischer/Metzger-Branche würde für Sie, den betreffenden Unternehmer in Zukunft leichter. Banken- und Wirtschaftskrise sind noch lange nicht ausgestanden, das Bruttosozialprodukt schrumpft, die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nimmt bundesweit seit Jahren ab; ähnliches gilt für die Zahl inhabergeführter Fleischereien/Metzgereien. Zudem kämpft der unternehmerische Mittelstand der Branche mit staatlichen Auflagen.
Vor einem solchen Hintergrund ist es für jeden Verantwortlichen der Fleischer/Metzgerbranche schwierig, auch in Zukunft die richtige Motivation für unternehmerisches Handeln zu finden und zu kultivieren, denn im Augenblick scheint kaum jemand so recht zu wissen, wo denn die Reise wohl hingeht. Zudem wird zurzeit selbst das ganze marktwirtschaftliche System „Soziale Marktwirtschaft“ von Vielen in Deutschland verstärkt kritisch hinterfragt.
Umso mehr habe ich mich vor diesem Hintergrund gefreut, eine Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung zu einem Vortragsabend im Jugendgästehaus Bielefeld zu erhalten. Unter der bewährten Leitung von Dr. Marco Arndt, Leiter Bildungswerk Dortmund der KAS referierte dort am Donnerstag, den 25. Juni 2009 die Umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestags-Fraktion Marie-Luise Dött MdB zum Thema
Die Welt in der Krise
Welche Zukunft hat die Soziale Marktwirtschaft?
Ich habe auf der wie immer gut besuchten Veranstaltung aus dem Referat und der Fülle von Anregungen der Vorsitzenden im Bund katholischer Unternehmer (BkU) einige ganz wesentliche Aussagen nachstehend ausgewählt, die insbesondere auch für den unternehmerischen Mittelstand der Fleischer/Metzger-Branche von Bedeutung sind.
Die Überzeugung der Referentin:
Da Soziale Marktwirtschaft auf den drei wesentlichen Prinzipien Subsidiaritätsprinzip, Solidaritätsprinzip und Gemeinwohl basiere, erfordere sie einen moralischen Grundkonsens der Gesellschaft und somit ein Höchstmaß an Disziplin des Einzelnen. Unternehmerischer Sachverstand und Ethos seien die Grundlagen einer ethisch sauberen und erfolgreichen Unternehmensführung.
Die Auswirkungen von Exzessen seien insbesondere in Krisenzeiten dramatisch, da jeder neue Skandal die Zustimmung zu unserem Wirtschafts-System untergrübe.
(Anm. des Beitrags-Autors hierzu: Vor diesem Hintergrund sollten sich auch einmal die Groß-Verursacher von Fleisch-Skandalen vor Augen führen, welchen Schaden sie nicht nur der jeweils bundesweit direkt betroffenen Bevölkerung zufügen, sondern inwieweit sie z u s ä t z l i c h auch das Gemeinwohl generell schädigen. Ende Anm. des Beitrags-Autors)
Ferner, so die Referentin, sei das Deutsche Bildungssystem zum Problemfall geworden. Aus Unternehmersicht seien viele Hauptschüler kaum noch „ausbildungsfähig“.
Empfehlungen der Referentin:
Auf jeder Stufe des Gemeinwohls sollte ein ordnungspolitisches Kontroll-Organ vorhanden sein.
Nur die Verbindung von Eigentum und Haftung schaffe den verantwortungsbewussten Unternehmer.
Künftig sollten in Deutschland auch Manager zur Verantwortung gezogen werden können.
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Die anschließende Diskussionsrunde war ein wenig zu kurz angesetzt. (Dr. Arndt wird mir diese Offenheit bitte verzeihen!) Ich habe der Referentin anlässlich eines anschließenden persönlichen Gesprächs mitgeteilt, meine Fragen hier im Blog zu veröffentlichen und sie um ebenso öffentliche Beantwortung über „Kommentare“ gebeten. Sie hat mir ihre Karte überreicht und ist zwischenzeitlich auch per eMail auf diesen Beitrag aufmerksam gemacht worden.
Nachstehend meine Fragen an die Referentin:
1) Welche Maßnahmen der „Mittelstandsförderung“ könnten oder sollten insbesondere in der Fleischer/Metzgerbranche greifen und Motivationsstütze werden?
2) Mit welchen Argumenten könnte ein junger Mensch bewegt oder überzeugt werden, die unternehmerische Selbständigkeit zu suchen?
Dankbar wäre Ihnen die Branche auch, wenn Sie folgende Fragen beantworten könnten, die mir Obermeister Ludger Freese aus dem niedersächsischen Visbek heute ergänzend formuliert hat:
3) Wie stehen Sie zur jüngsten Diskussion der Mehrwertsteuererhöhung für Lebensmittel auf 19 Prozent? – Soll das Fleischerhandwerk für die Fehler der Konzerne doppelt zahlen?
4) Was erzählt ein Obermeister seinen Kollegen, wenn sie die gleiche prozentuale Unterstützung vom Staate einfordern wollen wie die Autoindustrie oder die Banken?
5) Die Verbraucher sorgen sich um ihr Einkommen. Immer mehr Menschen haben zu wenig, um relativ sorgenfrei zu leben. Das Fleischerhandwerk verliert dadurch viele Kunden. Lebensmitteldiscounter gewinnen die Oberhand. Welche Argumente erkennen Sie, damit wir als Mittelständler nicht mutlos und konzeptlos gegen Windmühlen kämpfen?
Ich grüße sie herzlich
Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)